Matthias, AKI: „Die Transformation wird nicht im Einvernehmen mit den Unternehmen stattfinden“

Kolleginnen und Kollegen,

Der Klaus hat eben darauf hingewiesen, auf die Unterschiede zwischen uns, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, die davon leben müssen, und denen, die damit Gewinne machen, die damit Steuersparmodelle und dubiose Finanztransaktionen machen können.

Ich möchte darauf eingehen, was der Unterschied zwischen denen und uns in der Corona-Krise ist. Es könnten bald 10 Millionen in Kurzarbeit sein. 100% Kurzarbeit mit 60% vom Netto bedeutet für im Niedriglohnland Deutschland, dass sie an der Armutsgrenze sind. Dazu sind zehntausende jetzt schon arbeitslos geworden und viele weitere sind davon bedroht.

Die Herren und Damen, die hier oben ihre Interessen vertreten sehen, sind wesentlich dreister als wir. Sie fordern Milliarden aus Steuergeldern, sie fordern sie als Geschenk, nicht als Kredit. Sie fordern diese Gelder ohne Auflagen, wo und wie sie sie investieren.

Wir als Beschäftigte, wenn wir denn Kurzarbeitergeld kriegen, haben das alles selber eingezahlt mit unseren Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung. Wir finanzieren unsere Rettung selbst!

Diese Damen und Herren wollen iher Rettung aus Steuermitteln gezahlt bekommen und sie haben keinen Grund – aus ihrer Sicht – auf ihre Aufsichtsratstantiemen zu verzichten, auf ihre Dividenden zu verzichten oder auf ihre Millionen Euro Managergehälter zu verzichten.

Aber diese Ungerechtigkeit, die in der Behandlung dieser Krise sichtbar wird, die dem „Wir gehen alle gemeinsam durch diese Krise“ Hohn spricht, ist nur ein Signal für das, was noch kommen wird.

Das wird alles viel schlimmer! Wir als Arbeitende müssen höchste Aufmerksamkeit darauf richten, was jetzt noch kommt!

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Hans, AKI: Es gibt keine nationalen Lösungen – Wir brauchen ein „Ethos der Solidarität“

Rana Plaza

am 24. März jährte sich der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch zum siebten Mal.

Bei dem Unglück kamen über 1100 Menschen zu Tode und mehr als 2000 wurden verletzt, die meisten von ihnen schwer. Zahlreiche deutsche Unternehmen ließen in dem maroden Gebäude Kleidung produzieren und riskierten wissentlich Gesundheit und Leben der Arbeiter*innen.

Heute, in der Corona-Krise, geht die Verantwortungslosigkeit in der Textilindustrie unvermindert weiter. Die Fabriken stehen still, weil internationale Auftraggeber fast sämtliche Aufträge storniert haben. Millionen Textilarbeiter wurden entlassen – ohne Lohnfortzahlung und meist ohne jede soziale Absicherung. So sind die sozialen Folgen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie oft dramatischer als das Virus selbst. Das gilt ebenso in den Slums von Nairobi oder den Favelas von Rio de Janeiro.

Es gibt keine nationalen Lösungen, auch nicht in der Coronakrise. Was es dagegen jetzt braucht, ist ein „Ethos der Solidarität“, das sich nicht nur an diejenigen richtet, mit denen wir uns wie auch immer begründet verbunden fühlen, sondern auch an jene, die wir weder kennen noch durchschauen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen.

(Aus „Exchains“ von TIE)

Moria

Die EU und Deutschland nutzen die Coronakrise, um die Menschen an ihren Grenzen im Dreck zu Grunde gehen zu lassen.

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Hartmuth, AKI: „Auflösung der Massenquartiere, Unterbringung in kleinen Einheiten mit Betreuung!“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

für uns als Mitglieder des Arbeitskreises Internationalismus in der IGM hört die Solidarität nicht am Werkstor oder an der Ländergrenze auf. Unsere Solidarität gilt weltweit.

Am 18. April sind 47 unbegleitete Jugendliche aus griechischen Flüchtlingslagern in Hannover gelandet. Einen Glückwunsch an sie , dass sie sich retten konnten. Aber es ist eine Schande, dass die BRD und die EU nicht alle Flüchtlinge aus den katastrophalen Flüchtlingslagern evakuieren.

Corona ist hier eine schwere Krise und Katastrophe. Für die Menschen in den völlig überfüllten Flüchtlingslagern ist es aber eine tödliche Bedrohung! Und diese Bedrohung besteht nicht nur in den Lagern in Griechenland und anderen Ländern am Rande Europas, sondern auch hier mitten unter uns.

Es gibt viele Berichte über die unhaltbaren Zustände in den Erstaufnahmelagern oder anderen Massenquartieren. Flüchtlinge leben dort dicht an dicht. In vielen Lagern ist Corona ausgebrochen. In der Landeserstaufnahmestelle Ellwangen sind inzwischen zwei drittel infiziert und eine Reihe Betreuer ebenso. Und was macht die grüne Landesregierung? Sie fordert eine Einheit der Bundeswehr an, die bei der medizinischen Betreuung helfen soll. Die Soldaten werden aber von den Insassen eher als Bedrohung wahrgenommen. Sie sind eingesperrt. Ähnliche Berichte gibt es aus Göttingen, wo Besuchsverbot erteilt wurde, die Insassen sich nur noch vor dem Haus treffen können, was aber jeweils von der Polizei gewaltsam aufgelöst wird. Unsere Forderung und die vieler Flüchtlingsinitiativen heißt daher: Auflösung der Massenquartiere, Unterbringung in kleinen Einheiten mit Betreuung!

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1. Mai 2020: die IG Metall in Berlin auf der Straße dabei!

„Solidarisch ist man nicht alleine!“ sagten sich Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter am 1. Mai und folgten der Einladung vom IG Metall Arbeitskreis Internationalismus zu einem Kundgebungsmarathon auf der Straße.

In kleiner Gruppe mit begrenzten 20 Personen, mit Mund-Nase Schutz , 2m Abständen, bewaffnet mit ausreichend Hygienemittel  trafen wir uns zu 4 kleinen Kundgebungen an der traditionellen DGB Demo- Route.

 

Los ging es Nähe Hackeschen Markt am DGB- Bundesvorstand. Um 10:40 Uhr wurden Reden zum Ersten Mai als internationaler Kampftag, zu unseren Forderungen zum besseren Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und zu einem nachhaltigen Kurswechsel im  Gesundheitswesen von IG Metall und ver.di Kolleg*innen gehalten. Die COVID19 Krise zeigt die Schwächen am System, aber auch die vollkommen inkonsequente und zögerliche Bekämpfung der Pandemie durch die Verantwortlichen!

Nach einem geneinsamen „Spaziergang“ gab es um 11:20 Uhr vor der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Breites Str. Ecke Mühlendamm die 2. Kundgebung. Hier standen Themen wie “ kein Profit mit der Gesundheit, Schutz vor Entlassungen nach der Kurzarbeit, gerechtere Besteuerung der Unternehmen- keine Begünstigung von EU- Steuerflucht durch die Bundesregierung sowie Krise nicht auf unsere Kosten“  im Mittelpunkt.

 

 

 

 

 

Ein „Demo“- Spaziergang mit Fahnen und Plakaten führte uns dann zum Potsdamer Platz.

 Die dritte Kundgebung um 12:20 Uhr unter dem DB Tower prangerte den  Rüstungswahn an. Deutschland hat in diesem Jahr die höchsten Steigerungen im Miltäretat  seit dem Kalten Krieg ! Ein anderer Redner  erinnerte an die Geschichte der deutschen Reichsbahn vor 80 Jahren und Heute. Damals ging es um Truppentransporte gegen Russland, heute beim Defender 2020 Manöver an die russische Grenze. „Dank Corona“ wurde der Aufmarsch gestoppt.

 

 

Bei der Abschlusskundgebung am Holocaust Mahnmal wurde gefordert: „Investitionen für  Gesundheits- und Umweltschutz  statt  in Aufrüstung und Militär“ !  Überall trifft es am meisten die Ärmsten und Schwächsten! Ein gesellschaftlicher Kurswechsel gegen ein krankes  kapitalistisches  System ist überfällig! Ob Gesundheit, ob Umwelt, soziale Gerechtigkeit : wir müssen es selbst in die Hand nehmen ! Die Antwort auf den globalen Virus kann nur globale Solidarität sein.

Wenn die internationale Gemeinschaft in der Nazidiktatur den jüdischen Flüchtlingen geholfen hätte, wären über 6 Millionen in den Gaskammern nicht ums Leben gekommen. Damals wie heute  treten Gewerkschaften für die Rechte von Geflüchteten ein, jetzt erst recht! Dazu gehört die Aufnahme aller unbegleiteten Kinder aus Griechenland sofort sowie sichere Wohnbedingungen für Flüchtlinge in Deutschland. Unsere Solidarität geht auch an den VVN/BdA, denn Antifaschismus ist gemeinnützig. Mit Sorge sehen wir, dass im Rahmen von COVID19   Euthanasievorstellungen und die Ausgrenzung und die „Gesundung durch Ausmerzung von Schwachen“ wieder hoffähig werden!

 

Die Polizei hat zu den 20 Kundgebungsteilnehmer*innen auch zum Teil noch mal so viele Zuschauer*innen zugelassen. Wir meinen, es geht doch, wenn man will. Gesundheitsschutz und Versammlungsfreiheit schließen nicht zwingend einander aus! Auch unter erschwerten Bedingungen brauchen und werden wir nicht auf unsere demokratischen Rechte verzichten.

 

Wir werden die einzelnen Redebeiträge im Lauf der Woche hier veröffentlichen!

Anbei ein Kurzvideo von Ramon Zorn

https://www.youtube.com/watch?v=HTp-ZkvUKw0&feature=youtu.be

 

Benedikt, AKI „Wir stehen hier am Denkmal für die ermordeten Juden“

1. Zu den Voraussetzungen für den Mord an Millionen Juden Europas

Wir stehen hier am Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Für uns als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter ist wichtig, daran zu erinnern, dass diejenigen, die die diesen systematischen Mord Millionen Juden betrieben, dieselben waren, die sehr bald, nachdem ihnen die Regierung übertragen wurde, die Gewerkschaften zerschlugen.

Ja ich glaube, man kann das noch mehr zuspitzen und sagen: Dieser millionenfache Mord war nur möglich, weil die Nazis vorher die Arbeiterparteien verboten und die Gewerkschaften zerschlagen hatten. Vor dem Reichstagsgebäude steht ein Denkmal zur Erinnerung an 96 von den Nazis ermordete Reichstagsabgeordnete. Von den 96 ermordeten Reichstagsabgeordneten, an die dort erinnert wird, waren 43 Mitglieder der KPD und 41 Mitglieder der SPD.

Die Hitler-Faschisten nannten nicht zufällig die Revolutionäre von 1918/19 „Novemberverbrecher“. Das Ziel dieser „Novemberverbrecher“ war gewesen: Schluss mit dem Krieg! Schluss mit der feudalen Herrschaft in Politik und Wirtschaft! Nicht nur der Kaiser, auch die Schlotbarone und Krautjunker sollten gehen und mit ihnen all die Militaristen, die Deutschland in den 1. Weltkrieg geführt hatten.

All das, wofür die Novemberrevolution stand, war den Hitler-Faschisten zu tiefst zu wider. Sie wollten für die Zukunft unter allen Umständen eine Opposition verhindern, wie sie sich während des ersten Weltkrieges gebildet, über die revolutionären Obleute immer größere Massenstreiks organisiert und hchließlich zur Revolution 1918/19 geführt hatte

Weil aber nur der Kaiser ging, nicht aber all die anderen Militaristen, weil auch die Antidemokraten in den Verwaltungen, Gerichten, Schulen und Kirchen blieben, weil das große Kapital der Schwerindustrie mit seinen äußerst reaktionären Vertretern nicht enteignet wurde und weil die Privateigentümer in ihren Betrieben weiter ein unbeschränktes Feudalregiment führen konnten, weil es also der Novemberrevolution nicht gelang, die gegenrevolutionären Kräfte zu zerschlagen, konnten die Faschisten diese Kräfte um sich sammeln und eine Massenpartei darauf aufbauen.

So hatte es verheerende Folgen, dass die Revolution von 1918/19 unvollendet blieb. Zwar gelang den abhängig Beschäftigten noch 1920, die erste deutsche Republik durch einen Generalstreik gegen den Kapp-Lüttwitz-Putsch zu verteidigen, doch wenige Jahre später hatten sie dazu nicht mehr die Kraft. Sie waren nicht mehr in der Lage, vereint zu handeln und den Aufstieg des Faschismus zu verhindern.

Schon 1920 trugen die Putschisten Hakenkreuze am Helm und viele von ihnen waren von einem scharfen Antisemitismus geprägt. Darauf bauten die Hitlerfaschisten auf. Nachdem sie 1933 die gewerkschaftliche und politische Gegenmacht zerstört hatten, begannen sie Schritt für Schritt mit der Aufrüstung. Das alles endete in Völkermord und einem neuen Weltkrieg mit über 50 Millionen Toten. Der Antisemitismus steigerte sich zu einem systematischen Mord an Millionen Juden, an den dieses Denkmal erinnert.

Am 9. November eines jeden Jahres wird die Erinnerung an die Novemberrevolution von 1918 weitgehend verdrängt durch das Gedenken an die Judenpogrome vom 9.November 1938, die als wichtiger Schritt zu dem folgenden millionenfachen Morden verstanden werden. Wenn wir wollen, dass dies nie wieder geschieht, dann müssen wir aber an die Novemberrevolution von 1918 erinnern und an die Gründe, die 15 Jahre später zum Sieg des Faschismus , 20 Jahre später zu den Judenpogromen und dann zu den Menschheitsverbrechen führten. Nur so können wir vermeiden, dass sich die Geschichte wiederholt.

2. 130 Jahre lang: Wir kämpfen für unser Recht

Wir sind uns bewusst, dass die Ansteckungsgefahr durch den Corona-Virus zu Einschränkungen

der Versammlungsfreiheit zwingt, um Gesundheit und Leben von allen zu schützen. Aber nicht nur der Corona-Virus tötet, auch die Abschottung der EU-Grenzen tötet, die Zerstörung der Umwelt tötet, Rüstung und Krieg töten. Dazu darf nicht geschwiegen werden und deswegen wollen wir auch auf Versammlungen nicht vollständig verzichten. Versammlungsfreiheit und das Recht auf Leben und Gesundheit sind miteinander vereinbar, wenn die Hygieneregeln beachtet werden. Das ist der Grund, warum die Eindämmungs-Verordnung Versammlungen auch nicht vollständig verbietet. Und das ist auch der Grund, warum wir als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter am 1. Mai nicht vollständig auf Kundgebungen verzichten wollen.

Nachdem der DGB alle Kundgebungen unter freiem Himmel abgesagt hatte, ehrt es den Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall, dass er diese Kundgebung und die drei vorangegangenen kleinen Kundgebungen am heutigen Tag durchführt. Und es ist ein gutes Zeichen, dass diese Kundgebungen von Birgit Dietze unterstützt werden.

Es wäre sehr schade gewesen, wenn Gewerkschaften ausgerechnet am diesem 1.Mai keine Kundgebung unter freiem Himmel durchgeführt hätten. Denn es ist in diesem Jahr 130 Jahre her, dass das erste Mal weltweit Kundgebungen durchgeführt wurden. Im Jahr 1889 hatte der Gründungskongress der II. Internationale in Paris beschlossen, in allen Ländern am selben Tag Kundgebungen zur Durchsetzung des Achtstundentags durchzuführen. Ein Jahr später, am 1.Mai 1890 war es dann soweit: Es begann eine weltweite Tradition, die bis heute anhält. Das Arbeitsschutzprogramm, das auf dem Kongress in Paris entwickelt wurde, beruhte auf der grundsätzlichen Feststellung, dass „die Emanzipation der Arbeit und der Menschheit nur ausgehen kann von dem als Klasse und international organisierten Proletariat, welches sich die politische Macht erringt, um die Expropriation des Kapitalismus und die gesellschaftliche Besitzergreifung der Produktionsmittel ins Werk zu setzten“1. Berliner Vertreter auf diesem Kongress waren der Metallarbeiter Karl Becker, der in dem Unternehmen Max Hasse & Comp. arbeitete, der Tischler Theodor Glocke, der Former Alwin Körsten, der Zimmerer Julius Seitz, der Schneider Leo Pfeiffer, der Mauerer Julius Wernau und der Hausdiener Wilhelm Werner ; mit der Vertretung der Berliner Arbeiterinnen war Clara Zetkin beauftragt worden2. Seit dem Spätherbst 1889 hatten sich nahezu alle Berliner Arbeiter-, Volks- und Gewerkschaftsversammlungen für eine Arbeitsniederlegung am 1. Mai 1990 ausgesprochen. Obwohl der preußische Innenminister aufgrund des noch geltenden Sozialistengesetzes Versammlungen verbot und Agitatoren und Streikenden strafrechtliche Verfolgung androhte, streikten in Berlin am 1. Mai 1890 ca. 20.000 abhängig Beschäftigte und unternahmen Massenausflüge in die Berliner Umgebung3. 28 Jahre später – am 12. November 1918 – verkündete der Rat der Volksbeauftragten, der am 10. November im Zirkus Busch von der Vollversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte aus der Taufe gehoben worden war: „… spätestens am 1. Januar 1919 wird der achtstündige Maximalarbeitstag in Kraft treten“. Außerdem verkündete der Rat der Volksbeauftragten mit Gesetzeskraft: „Das Vereins- und Versammlungsrecht unterliegt keiner Beschränkung“ und: „Meinungsäußerung in Wort und Schrift ist frei“4.

Hygienedemos, die mit dem Grundgesetz unter dem Arm notwendige Hygieneregeln und damit Leben und Gesundheit missachten und sich auch sonst nicht nach rechts abgrenzen, haben nichts mit der Verteidigung von Grundrechten zu tun.

Diese Grundrechte wurden nicht vom Bürgertum, sondern von den abhängig Beschäftigten erkämpft. Das ist die Tradition, auf die sich die hier versammelten Gewerkschafterinnen berufen. Wir kämpfen für Freiheit, Leben und Frieden und wissen dabei, dass die Unternehmer unter der Verteidigung dieser Rechte etwas anderes verstehen als wir. Die Freiheit der Unternehmer ist die Unfreiheit der abhängig Beschäftigten.

 

 

1. Mai 2020 : kleiner Bilderreigen AK Internationalismus IG Metall

Auftakt DGB Haus

Kundgebung am Potsamder Platz

 

 

 

 

 

 

 

 

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„Wir werden nicht zur Normalität zurückkehren, denn die Normalität war das Problem“.

Der Tag der Arbeit ist unser Tag, trotz der Einschränkungen!

Die Worte, die letztes Jahr während der Massenproteste in Chile auf eine Wand projiziert wurden, hallen jetzt überall in der Welt wider: ‘Wir werden nicht zur Normalität zurückkehren, denn die Normalität war das Problem’. Die schwere Wirtschaftskrise, die die Ausbreitung von COVID-19 begleitet, wirft ein grelles Schlaglicht auf diese Normalität.

Die Pandemie hat die Unfähigkeit unserer Gesundheitssysteme enthüllt, einen Notstand zu bewältigen, der vorhersehbar war und vorhergesagt wurde. Die Gesundheitsfürsorge, ein grundlegendes Menschenrecht, ist durch jahrelange Zwangssparmassnahmen, Auslagerung, ‘Just-in-time’-Management und Profitzwänge stark geschwächt worden.

Die Gesundheitskrise ist symptomatisch für eine grössere Pathologie. Die Regierungen sprechen von der Überwindung der Angst im Kampf gegen ‘einen unsichtbaren Feind’, aber die ‘Normalität’ wurzelt in Angst: der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, der Angst, ausgewiesen zu werden, der Angst, zu erkranken oder sich zu verletzen, der Angst, in eine Schuldenfalle und in Armut zu geraten, der Angst vor Vergeltungsmassnahmen, weil man sich zur Wehr setzt und Solidarität organisiert. Der Tag der Arbeit und die internationale Arbeiterbewegung sind aus dem Kampf gegen die Ausbeutung hervorgegangen, die dieser Angst zugrunde liegt.

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„Ein schwerkranker Patient“

Die Krise im Gesundheitswesen legt die Schwachstellen des Systems wie in einem Brennglas offen. Viele melden sich jetzt zu Wort, die sagen wie es ist, und deren Stimme gehört werden sollte, wollen wir nicht in Gefahr laufen, dass es nach der aktuellen Krise so weiter geht wie vorher. „Normalisierung“ wäre dann eine Bedrohung!

Im Folgenden ein Ausschnitt aus einem Interview („Eine Krankheit names Ökonomisierung“) mit Rita Gabler, einer Krankenschwester im Palliativbereich. Entnommen einer Beilage in der SZ zum 1. Mai.

Was müsste sich in der Pflege ändern?

Bei unserem Gesundheitssystem handelt es sich um einen „schwerkranken Patienten“. Die Krankheit, unter der es hauptsächlich leidet, nennt man Ökonomisierung. Nicht mehr der Patientenwille zählt, sondern das wirtschaftliche Interesse von Kliniken, Pharmaunternehmen und Ärzten. Begünstigt wird das System durch einen historisch gewachsenen, geradezu militärisch angelegten Machtapparat in unseren Krankenhäusern. Angeführt von Chefärzten, die auf lukrativen Bonusverträgen sitzen und sich damit ihren auf Gewinrimaximierung ausgerichteten Geschäftsführern und Klinikbetreibern ausgeliefert haben. Dieser Druck wird massiv nach unten weitergegeben. Nicht die bestmögliche Versorgung des Patienten gilt oftmals als oberstes Ziel, sondern die „betriebswirtschaftlich optimale“ Behandlung. Die Ein- führung der Fallpauschalen 2004 tat ihr Übriges dazu. Seit der Zeit lässt sich besonders viel verdienen, wenn der Patient möglichst aufwendig behandelt, trotzdem aber schnell wieder entlassen wird. Da die Kosten der Pflege mit in die Fallpauschale eingerechnet werden, bleibt pro Fall deutlich mehr Gewinn, wenn möglichst geringe Personalkosten entstehen.
Viele haben statt des „Danke“ bessere Bezahlung gefordert. Wie sehen Sie das? Insgesamt betrachtet ist das Malheur in der Pflege ein von der Politik und den Krankenkassen ignoriertes und von den Ärzten klar gewolltes Ausbeutungsverhältnis, aus dem sich die Pflege ohne einen starken Berufsverband und ohne Hilfe der Politik nicht wird lösen können. Da hilft kein Trostpflaster in Form von Sonderzahlungen, und nach der Krise wird der Applaus der Bevölkerung schnell wieder verhallen.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit und vor allem für Ihre Patienten?

Das Palliativteam Erding könnte ein Beispiel dafür sein, wie es in der Pflege auch anders gehen könnte. Die Geschäftsführung liegt hier zu gleichen Teilen in pflegerischer und ärztlicher Hand. Als gemeinnützige Einrichtung sind wir nicht auf Gewinne ausgelegt, sondern das Wohl des Patienten steht an oberster Stelle. Eine Versorgung, wie wir sie damit gewährleisten können, würde ich nicht nur Palliativpatienten wünschen, sondern allen, die es benötigen. Es ist schade, dass es ein solches Virus gebraucht hat, damit erkannt wurde, dass Gesundheit weder mit Geld noch mit Gold aufzuwiegen ist. Natürlich ist gerade jetzt die Arbeit der Pflegenden unbezahlbar wichtig geworden. Wobei, vielleicht wäre sie ja doch bezahlbar, sofern man die Millionengehälter von Managern, Bankern, Profifußballern oder Pharma-Chefs, um nur einige zu nennen, systemrelevant anpassen würde? Ich jedenfalls würde bei einer solchen Entscheidung applaudieren.

 

 

 

Spendenaktion für Vio.Me

Wir bitten um die Unterstützung des Aufrufs!

„Leave No One Behind“ – Rettet die Flüchtlinge!

Wie in einem Brennglas demonstrieren die Zustände in den Flüchtlingslagern auf den Inseln an der griechisch-türkischen Grenze, wie hohl und letztlich substanzlos die selbst beweihräuchernden Reden über eine angebliche westliche Wertegemeinschaft sind. Dies wird auch nicht dadurch besser, dass viele Länder, die nicht zu diesem Kreis gehören, sich  ebenso, wenn nicht sogar noch ignoranter verhalten. Den in den Lagern unter unmenschlichen Verhältnissen internierten Menschen bleibt eine sichere Überlebensperspektive versagt.

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