Brasilien

CUT-Demo

Das Thyssen-Krupp Stahlwerk und die Fischer

mit Luis Carlos da Silva Oliveira*, Brasilien und *Karina Kato,* Brasilien

Niema Movassat* und *Heike Hänsel*, beide MdB DIE LINKE, sowie Mitglieder im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

In Sepetiba, Brasilien, errichtet ein Konsortium unter maßgeblicher Beteiligung des deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp eine Industrieanlage mit Stahlwerk und umfänglicher Infrastruktur. Die verursachten Umwelt-schäden zerstören die Existenzgrundlage von 8.000 Fischerfamilien (über 40.000 Personen) sowie wertvolle Naturschutzgebiete wie z.B. Mangrovenwälder. Darüber hinaus werden Kritikerinnen und Kritiker des Stahlwerkbaus von Milizen bedroht. Mehr erfahren

Verhaltenskodizes – gutes Geschäft für Arbeitnehmer oder Konzerne?

Eine Diskussion mit Valter Sanchez, Weltbetriebsrat von DaimlerChrysler, Sao Paulo/ Brasilien.

Dienstag, 11.November 2003 um 18:00 Uhr
Im Saal der IG Metall Verwaltungsstelle Berlin
Alte Jakobstr. 149, 10969 Berlin-Kreuzberg
U1/ U15 Hallesches Tor

Die Verabschiedung von Verhaltenskodizes – freiwilligen betriebsinternen Regeln zur Einhaltung gewisser Sozialstandards – ist in den letzten Jahren ein beliebtes Mittel von Weltkonzernen geworden, um die öffentliche Diskussion um ihre soziale Verantwortung in einen Imagegewinn zu wenden. Gewerkschaften begrüßen und fördern das als Stärkung von Arbeitnehmerrechten in einer globalisierten Welt. Mehr erfahren

Veranstaltung zu Brasilien: Gewerkschaft gegen Chemiekonzerne – Leben vor Profit

Herzliche Einladung zur Informations- und Diskussionsveranstaltung
Es wird auch ein Doku-Video gezeigt.„Gewerkschaft gegen Chemiekonzerne – Leben vor Profit“ – Erfahrungen aus einem außergewöhnlichen Arbeitskampf“

Berlin, Freitag, 11. November um 18.30 Uhr
Verdi-Medien-GalerieDudenstr. 10 (U-Platz der Luftbrücke)

Veranstalter: AKI d. IG Metall Berlin, ECCHR, FDCL, labournet.tv

transpi1

Vom 8. bis 20. November machen eine brasilianische Gewerkschafterin und ein ehemaliger Arbeiter und Opfer von Pestizidvergiftung durch transnationale Konzerne eine Rundreise durch acht deutsche Städte. Aus erster Hand werden Gloria Nozella und Francisco Tavares über einen Kampf von David gegen Goliath und die aktuelle Situation in Brasilien unterrichten. Sie werden auch zur Absetzung der Präsidentin Roussef und zur aktuellen politischen Lage sprechen.

David gegen Goliath

Eine kleine brasilianische Chemiegewerkschaft hat es geschafft, zwei transnationale Konzerne (Shell und BASF) zu einer beispiellosen Vereinbarung zu verpflichten. In einer 12 Jahre andauernden Auseinandersetzung, sowohl vor Gericht als auch mit einer beeindruckenden Kampagne, ist es einer offensiven Gewerkschaft, Anwohnern, Angehörigen und Opfern von Umwelt- und Gesundheitszerstörung gelungen, Shell/BASF zur Verantwortung zu ziehen. Die erreichte Entschädigung erweckt nicht die durch giftige Chemikalien gestorbenen Arbeitnehmer wieder zum Leben und macht die schwer Erkrankten nicht wieder gesund. Aber sie verschafft den Opfern Genugtuung und Anerkennung, und hilft auch ganz praktisch, die ärztlichen Behandlungen zu finanzieren und in Würde weiterzuleben.

Brasilien nicht nur Olympia – auch politische Streiks

Ein zweites Thema der Rundreise von Gloria Nozella und Francisco Tavares ist die aktuelle dramatische Situation in Brasilien. In einem kalten Putsch hat die rechte Elite die brasilianische Präsidentin Roussef abgesetzt. Korrupteste Politiker geben vor, die Korruption bekämpfen zu wollen – tatsächlich geht es ihnen um ihre Privilegien und Macht. Gewerkschaften und soziale Bewegungen mobilisieren gegen die sozialen Verschlechterungen und den Angriff auf die Demokratie mit Streiks und Massendemonstrationen. Brasilien ist nicht das einzige Land, in dem in den letzten Jahren progressive Präsidenten abgesetzt worden sind, um den „Linksruck“ in Südamerika mit alternativen Modellen und mehr Rechten und weniger Misere zu beenden.Veranstaltet wird die Rundreise von TeilnehmerInnen am Chemiearbeiteraustausches aus den 90-er Jahren, koordiniert von BaSo (Basisinitiative Solidarität) mit der freundlichen Unterstützung der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt aus Berlin. Die Veranstaltung in Berlin wird auch durch das BMZ gefördert.

Stationen der Rundreise:

Frankfurt 08.11.16 – Ludwigshafen 10.11.16 – Berlin 11.11.16 – Halle 14.11.16 – Münster 15.11.16 – Dortmund 16.11.16 –
Wuppertal 17.11.16 – Bonn 18.-20.11.16

 

ga%cc%88ste

Gloria Nozella ist für Gesundheitspolitik zuständiges Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Quimicos Unificados.Francisco Tavares ist Betroffener ehemaliger Arbeiter von Shell/ BASF und im Verband der Geschädigten organisiert (ATESQ).

Brasilien: Shell und BASF müssen zahlen

Eine Chemiefabrik in Paulínia (im Bundesstaat São Paulo) des Shell-Konzerns wurde zunächst von American Cyanamid aufgekauft und im Jahr 2000 von der BASF (Ludwigshafen) übernommen. Die dort produzierten krebserregende Stoffe wie die Pestizide Aldrin, Endrin und Dieldrin verursachten schwere Gesundheits- und Umweltschäden, auch Todesfälle. Lange wurde vertuscht. Nach Hunderten von Beschwerden leitete das Arbeitsministerium ein Klageverfahren ein. Ende 2002 wurde das Werk geschlossen. Die Behörde verbot eine weitere Nutzung und stellte unter anderem fest, „dass der Boden der Fabrik komplett verseucht ist“. Kampf von Belegschaft und GewerkschaftTeile der Belegschaft organisierten sich in einem Interessenverband der Betroffenen (Atesq – Verband von Arbeitern, die chemischen Substanzen ausgesetzt waren) – kräftig unterstützt besonders von der rührigen Chemiegewerkschaft von Campinas „Quimicos Unificados“ (Vereinigte Chemiebeschäftigte). Sie machten sich auf einen langen Weg: erst 2013 wurde endlich vor dem höchsten Arbeitsgericht in Brasilia eine abschließende Vereinbarung unterzeichnet. Diese enthält individuelle Entschädigungen, sowie das Recht der Beschäftigten und ihrer Familien auf lebenslange ärztliche Behandlung. Die EntschädigungJeder der 1068 registrierten ehemaligen Beschäftigten erhält eine individuelle Entschädigung. Der Betrag wird gestaffelt nach der Anzahl der auf dem Gelände gearbeiteten Jahre. Jeder der 1068 ehemaligen Beschäftigten sowie ihre Ehepartner und die in der Beschäftigungszeit geborenen Kinder haben das Recht auf lebenslange kostenlose medizinische Versorgung (Untersuchungen, stationäre Aufenthalte, Medikamente und Operationen). Die Tatsache, dass Ehepartner und Kinder in die medizinische Versorgung einbezogen werden, ist ein großer, wohl einmaliger Erfolg. Dass die medizinische Versorgung für jedwede Art von Erkrankung gewährleistet wird, ebenso. Aber auch, dass jeder ehemalige Beschäftigte eine Entschädigung erhält, ohne einen Einzelnachweis erbringen zu müssen ist eine Errungenschaft. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des vereinbarten Pakets ist die „Entschädigung wegen kollektiver Schäden“ in Höhe von 200 Mio. Real (aktuell ca. 50 Mio. Euro). Das Geld ist bestimmt für Projekte zur Erforschung, Behandlung und Prävention von Berufserkrankungen oder Umweltschäden in der Region. Sechs Projekte sind bereits ausgewählt, darunter eines für die Krebsklinik in Barreto (SP) und ein anderes für die Kinderkrebsklinik nahe Campinas.

Die erkämpften Entschädigungen kommen auch anderen zugute, z.B. zwei Krebskliniken im Bundesstaat São Paulo.Jede Verhandlung wurde von den Betroffenen begleitet. Immer mobilisierten sie sich, standen vor den Toren und auf den Plätzen, demonstrierten und protestierten.

Die Reise wird koordiniert von Beatrix Sassermann (BASO Wuppertal), Kontakt: bspol@bwup.de

Verbitterung am Zuckerhut

Die Gewerkschaften wehren sich mit Protesten und Streiks gegen die neoliberale Politik der De-facto-Regierung von Michel Temer

Von Harald Neuber

In Brasilien formiert sich nach dem Sturz von Präsidentin Dilma Rousseff der Widerstand gegen die neoliberale Inte­rimsregierung. Die Politikerin war Ende August von einer rechten Parlamentsmehrheit unter fadenscheinigen Gründen abgesetzt worden. Dieser „parlamentarische Putsch“ sorgte nicht nur in dem größten Land Lateinamerikas für Unmut, schließlich waren die damit verfolgten Absichten nur allzu deutlich. Rousseff musste offenbar gehen, weil sie gegen die verbreitete Korruption vorgegangen ist. Die Pointe folgte sofort: Die Haushaltstricks, mit der ihre Gegner die Absetzung zu rechtfertigen versuchten, wurden nur wenige Tage nach dem Machtwechsel vom gleichen Parlament legalisiert, das kurz zuvor noch für die Absetzung, das „Impeachment“, gestimmt hatte.

Weiterlesen in der ver.di-Publik 7/2016

Verbitterung am Zuckerhut

Massendemonstration in Brasilia

Aus dem Labournet
150.000 in Brasilia gegen reaktionäres Reformpaket, für Neuwahlen – ein sogenannter Präsident ruft die Armee

Die übliche Bekundung, es seien ja nur ganz wenige Menschen gewesen, die da protestierten, funktionierte nicht so ganz: Wegen eben mal 35.000 DemonstrantInnen hätte selbst ein in die Enge getriebener Präsident, den seine Hintermänner opfern wollen, nicht – erstmals seit Ende der Militärdiktatur vor über 30 Jahren – die Armee gerufen, was Temer aber tat. Und verschiedene Minister sprachen dann auch öffentlich davon, es seien „so viel mehr Menschen, als erwartet“ gewesen. Gezählt hat sie niemand, die meisten Gewerkschaften „einigten“ sich auf 150.000 Menschen, die durch die Sperren der Militärpolizei durchkamen, die mit einem Großaufgebot aufmarschiert war. Die Propaganda-Dreckschleuder Globo beschränkte sich darauf, über „Vandalen“ zu berichten, die die Hauptstadt beschädigen würden – und die Hintermänner der schwankenden Temer-Regierung versuchen, die antisozialen Reformen von der Regierung „loszulösen“. Siehe dazu eine kleine aktuelle Materialsammlung

Labournet Germany

 

Brasilien: VW als Komplize der Militärdiktatur

 

Christian Russau, Mitarbeiter der FDCL in Berlin, hat ein wichtiges Buch geschrieben. Es dreht sich um das kompromittierende Verhalten deutscher Unternehmen in Brasilien. Mitten drin auch die Volkswagen AG. In der Süddeutschen Zeitung wurde gerade dokumentiert, wie der Konzern in enger Kooperation mit der damaligen Militärdiktatiur aktiv an der Unterdrückung von Aktivisten der brasilianischen Arbeiterbewegung beteiligt war. Doch während dies mittlerweile unstrittig ist, kann der Daimler-Konzern bis heute seine Rolle während der argentinischen Militärdiktatur recht erfolgreich unter denTeppich kehren.

In einer Rezension des Buches von Christian Russau schreibt die GFP:

„Klare Verhältnisse herrschten in den Jahren der brasilianischen Militärdiktatur (1964 bis 1985) bei VW do Brasil. Gewerkschafter? Die waren, so zitiert Christian Russau Erkenntnisse des Historikers Rodolfo Machado, damals ganz einfach „Fälle für die Polizei“. Heinrich Plagge etwa, der als Metallarbeiter hart für VW do Brasil schuftete, sich aber zugleich in einer Gewerkschaft engagierte, um für seine Rechte und diejenigen seiner Kollegen einzutreten. „Am 8. August 1972“, berichtet Russau, „wurde er gegen 14 Uhr in das Büro des VW-Managers Ruy Luiz Giometti gerufen, wo neben Giometti zwei Unbekannte auf ihn warteten und ihn für verhaftet erklärten.“ Plagge wurde in ein berüchtigtes Folterzentrum verschleppt, dort 30 Tage lang gequält und anschließend in ein Gefängnis verlegt, aus dem er am 6. Dezember – rund vier Monate nach seiner Verschleppung – freigelassen wurde. „Am 22. Dezember 1972, 16 Tage nach seiner Entlassung, erhielt er die Kündigung durch Volkswagen“, schreibt Russau. VW do Brasil hatte sich den unbequemen Gewerkschafter vom Hals geschafft. Aufmüpfigkeit gegen die Konzernspitze – das sollte die Aktion deutlich machen – war zwecklos.“

Christian Russau: Abstauben in Brasilien. Deutsche Konzerne im Zwielicht. Hamburg 2016.

aus: Newsletter von German Foreign Policy vom 25.07.2017

Bericht aus der Süddeutschen Zeitung:
VW-Konzern unterstütze Militärdiktatur in Brasilien

 

VW und Mercedes Benz: Komplizen der Militärdiktaturen in Brasilien und Argentinien? – Überlebende der Folter belasten Manager der Tochterunternehmen der deutschen Konzerne –

Abendveranstaltung mit:

Lúcio Bellentani (ehemaliger Arbeiter von VW Brasil in São Paulo) und Héctor Ratto (ehemaliger Arbeiter bei Mercedes Benz in Buenos Aires), Heike Hänsel (MdB, Die Linke), Wolfgang Kaleck und Claudia Müller-Hoff (beide ECCHR)

 

Zeit: Dienstag, 7. November 2017, 19 Uhr

Ort: Münzenbergsaal, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mehring-Platz 1, 10243 Berlin / Sprachen: Deutsch, Spanisch, Portugiesisch mit Simultan-Verdolmetschung / Eintritt frei!

Lúcio Bellentani arbeitete zwischen 1964 und 1972 bei Volkswagen do Brasil als Werkzeugmacher. Im Juli 1972 verhafteten ihn Geheimpolizisten an seinem Arbeitsplatz im VW-Werk in São Bernardo do Campo – unter den Augen des VW-Werkschutzes. Er wurde ins Folterzentrum DOPS verschleppt. Laut Bellentani war der Chef des VW-Werkschutzes aktiv an seiner Verhaftung beteiligt: Der VW-Mitarbeiter soll ihm bei der Verhaftung eine Waffe an den Rücken gehalten haben.

Héctor Ratto wurde im August 1977 von Juan Tasselkraut, dem damaligen Produktionsleiter des Mercedes-Werks in Buenos Aires, in sein Büro gerufen, wo zwei Polizisten auf ihn warteten. Die Polizisten verschleppten ihn in eine Kaserne, wo er gefoltert wurde. Ratto sagte in einem Gerichtsverfahren aus, dass ihn Tasselkraut persönlich den Sicherheitskräften übergeben und diesen außerdem die Adresse des Mercedes-Arbeiters Diego Nuñez mitgeteilt habe. Nuñez „verschwand“ daraufhin, bis heute fehlt jede Spur von ihm.

Welche Verantwortung tragen VW do Brasil und Mercedes Benz Argentina – und deren Mutterkonzerne in Deutschland – für die Verhaftungen und Folterungen von Gewerkschaftern während der Militärdiktaturen in Brasilien und Argentinien? Wäre die Mitwirkung von VW- und Mercedes-Managern an der Verhaftung als Beihilfe zur Folter zu werten?

Folter und damit die Verbrechen gegen Bellentani und Ratto verjähren nicht. In Brasilien ermittelt seit 2015 die Staatsanwaltschaft; in Argentinien läuft seit Jahren ein schleppendes Verfahren gegen Mercedes Benz-Mitarbeiter. Was fordern die Überlebenden heute von den deutschen Konzernen? Gibt es in Deutschland rechtliche Mittel und Wege gegen VW und Mercedes Benz wegen der Beteiligung an den Diktaturverbrechen vorzugehen?

Eine gemeinsame Veranstaltung von: Rosa-Luxemburg-Stiftung, ECCHR, FDCL, Dachverband Kritische Aktionäre, KoBra, Lateinamerika Forum – Foro de las Américas Berlín, Lateinamerika Nachrichten, Nachrichtenpool Lateinamerika, Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall, LabourNet Germany und medico international.