Veranstaltung zu Arbeiterrechten in China mit Professor He Gaochao

CHINA: Marktwirtschaft – contra Arbeitnehmerrechte!

China hat sich auf einen eigenen Weg gemacht, seine Marktwirtschaft zu gestalten, die zu Beginn zentral organisiert wurde und jetzt laufen gelernt hat. Die Arbeitnehmer mussten sich den Bedingungen anpassen, auch die Gewerkschaften. Also ist die Situation nicht viel anders als bei uns zu Beginn der Industrialisierung.

China-Bild

Vor wenigen Jahren gab es große Diskussionen über die Reform des Arbeitsrechts: Unternehmerische Willkür sollte begrenzt und die Rechte der ArbeiterInnen gestärkt werden. Auch die Gewerkschaften sollten unter den heutigen kapitalistischen Bedingungen eine ganz andere Rolle spielen, als in der Vergangenheit.

Chinesische Gewerkschaften sind meist eng mit den Unternehmenszielen verbunden und konnten bzw. wollten selten die Forderungen der ArbeiterInnen 1:1 durchzusetzen. Arbeitskämpfe entwickeln sich meistens von der Basis aus. In den meisten Fabriken werden WanderarbeiterInnen beschäftigt, die ihre gesetzlichen Rechte und Möglichkeiten oft nicht kennen. Oft bieten nur Arbeiterzentren Beratung und Unterstützung an.

In den letzten Monaten hat der Druck der Behörden erheblich zugenommen. Es gab massive Angriffe auf solche Zentren und viele wurden geschlossen.

Professor He Gaochao von der Sun Yatsen Universität in Guang Zhou ist u.a. bekannt durch seine Forschungen zu Wanderarbeitern und Arbeitskonflikten im Perlfluss-Delta. StudentInnen seines Institutes beteiligten sich im Rahmen von Praktika in Fabriken an der Feldforschung über Arbeitskonflikte. Das Institut ist inzwischen geschlossen.

 

Veranstaltung am Mittwoch den 27. April um 18.30 Uhr
im IG Metall-Haus, Raum E 01, (Erdgeschoss)
Alte Jakobstraße 149, 10969 Berlin, U-Bahnhof Hallesches Tor

 

Professor He Gaochao wird über die widersprüchlichen Signale der chinesischen Arbeitspolitik reden. Auf der Grundlage seiner Beobachtungen von Streiks und Tarifverhandlungen im Perlfluss-Delta in Guangdong kann er uns von den Herausforderungen und den Bedingungen, unter denen wirkungsvolle Gewerkschaftsarbeit gemacht werden kann, berichten.

Broschüre „Chinesische Arbeitswelten – in China und in der Welt“

China-Broschüre

Wir möchten auf diesem Wege gerne werben für eine neu erschienene Broschüre zu China. Gemeinsam herausgegeben von der Stiftung Asienhaus in Zusammenarbeit mit dem Forum Arbeitswelten e.V. und express
März 2016, 72 Seiten

Vieles, was wir in Deutschland konsumieren, wird in China hergestellt. Schon längst ist China zur Werkbank der Welt geworden. Die chinesische Regierung arbeitet seit einigen Jahren daran, die Wirtschaft umzustrukturieren. Ein erster Schritt ist die »Made in China 2025«-Strategie, die die Innovationskraft Chinas stärken soll. Unter welchen Bedingungen entstehen die Waren, die wir konsumieren? Wer muss sich wo an welche Regeln halten?

Die Broschüre will MultiplikatorInnen der entwicklungs- und umweltpolitischen sowie der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit in die Lage versetzen, sich differenziert mit den Arbeits­welten und Arbeitsbedingungen sowohl in chinesischen Betrieben als auch in deutschen Nie­derlassungen in China auseinanderzusetzen. Exemplarisch wird z. B. anhand eines Projektes der IG Metall bei Siemens der Frage nachgegangen, ob, wie und welche Mitbestimmungs- und Arbeitsbeziehungen sich dort einführen lassen. Aber auch Arbeitsbedingungen in chinesischen Betrieben in Peru, Afrika, den USA und Deutschland werden diskutiert. Die Broschüre zeigt Möglichkeiten des Schutzes und der Gegenwehr auf und stellt die Frage der Notwendigkeit von Solidarität.

Weiterlesen

„Nationalismus und die chinesische Arbeiterklasse“

Vortrag mit anschließender Diskussion zum Hintergrund von Nationalismus in China – Ursachen, Kennzeichen, Bedeutung

Am 19. Mai 2017 19:30 Uhr im IG Metall Haus, Raum E 01 * Alte Jakobstr. 149, 10969 Berlin (U-Bahn-Station „Hallesches Tor“)

Referent: Shi Ming, freier Journalist und Publizist, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Bodo Zeuner

Seit den 1990er Jahren wird der vor vier Jahrzehnten begonnene Integrationsprozess Chinas in die kapitalistische Weltwirtschaft von einem wachsenden Nationalismus begleitet. Nach dem Nationalismus, der den Kampf gegen ausländische Aggression in den Jahren 1840-1949 geprägt hatte, setzte nun mit der Öffnungspolitik und der kapitalistischen Umstrukturierung eine zweite nationalistische Welle in China ein.

Mehr erfahren

Kampf gegen Leiharbeit auch in China

Von unseren Kollegen des Portals „Chezduzen“ bekamen wir die folgende Nachricht:

„Wer die Berichterstattung im Labournet verfolgt, kennt wohl so etwa die Situation der Leiharbeiter bei VW Changchun, Nordchina. Auch wenn ihnen Equal Pay nach chinesischem Arbeitsrecht zustehen würden, erhalten sie nur rund die Hälfte. Vor einem Jahr begannen sie ihre Rechte einzufordern. Als es über Gewerkschaft und Behörden keinerlei Erfolg hatten, begannen sie in diesem Jahr mit öffentlichen Protesten. Der Staat reagierte mit Repression, kriminalisierte den Protest und verhaftete Aktivisten. Vor einigen Wochen erklärten der Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh und der Eurobetriebsrat Frank Patta sich für nicht zuständig für die Arbeitsbedingungen bei der VW Produktion in China. Als vor wenigen Tagen der Weibo-Internetaccount der Protestierenden Arbeiter gesperrt und gelöscht worden ist und gegen den mehr als einem halben Jahr einsitzenden Sprecher der Arbeiter Anklage erhoben worden ist, beschlossen wir bei unserem Chefduzenstammtisch, in Deutschland aktiv zu werden. Hier findet man den Urheber dieses Unrechts, aber es ist hier nicht so riskant zu protestieren, wie in China. Wir beschlossen mit einem Infotisch nach Wolfsburg  zu fahren. Die Aktion war erfolgreicher, als wir es uns erträumt hatten:“

Chefduzen zu Soli-Aktion in Wolfsburg

Die eigentliche Überraschung lag darin, daß wir mit unserer Miniaktion eine Berichterstattung in beiden Wolfsburger Tageszeitungen ausgelöst haben. Wir wollen weiter am Ball bleiben.“

 

Fortsetzung der Korrespondenz im Dezember:
(Wir zitieren in Ausschnitten)

Die Leiharbeiter in China sind halbwegs informiert über die Diskussion hier. Sie kriegen die wichtigsten Berichte übersetzt. Sie sagen, VW und der Betrtiebsrat lügen wie gedruckt. Die behaupten ja, die Situation sei so gut wie gelöst. Die Arbeiter sagen, die Situation ist z.Zt. schlechter als zuvor. Die angebotenen neuen Jobs befinden sich großteils in anderen Städten und sind verknüpft mit Verzichtserklärungen auf den seit Jahren unterschlagenen Lohn. Die Reduzierung der Leiharbeitsplätze ist Augenwischerei, die Arbeitsplätze werden durch noch schlimmere Ausbeutungsformen ersetzt: Praktikantenstellen. Ähnlich wie beim Apple Zulieferer Foxconn werden Studenten/Berufsschüler zur nahezu unbezahlten Arbeit mißbraucht. Sie müssen für ihre Ausbildung/Studium Praktika machen, wenn sie sich weigern, kriegen sie keinen Abschluß.

Weiterlesen

China: Zwangsräumungen von Wanderarbeiter_innen in Peking sorgen für Entsetzen

„Einige haben Peking fluchtartig verlassen, andere campieren mit Sack und Pack auf der Straße: Die Zwangsräumungen von Unterkünften sogenannter Wanderarbeiter sorgen für Entsetzen bei der chinesischen Bevölkerung. Die Behörden gehen außergewöhnlich rabiat vor.“

Von Steffen Wurzel

Mehr auf einem Feature des Deutschlandfunks:

 

Protest gegen die Verhaftung chinesischer Gewerkschaftsaktivist/innen

Auch der Arbeitskreis Internationalismus beteiligte sich an der von labournet.tv organisierten Protestaktion vor der chinesischen Botschaft am 28. August 2018. Am Ende der Kundgebung wurde ein Protestbrief in den Briefkasten der Botschaft gesteckt. Prinzipiell scheuen die Mitarbeiter der Botschaft  bei solchen Aktionen Geischt zu zeigen und Protestbotschaften entgegenzunehmen.

 

Shenzen, August 2018 – Im Zusammenhang mit dem Versuch von Arbeiter_innen, in der Schweißgerätefabrik Jasic eine Gewerkschaft aufzubauen, hat sich eine sehr zugespitzte Situation von Repression und eine ungewöhnliche Solidaritätsbewegung für die kämpfenden Arbeiter_innen entwickelt.

Im Juli waren sieben Arbeiter entlassen worden, weil sie versucht hatten eine Gewerkschaft aufzubauen. Die Proteste gegen die Entlassungen gingen den ganzen Monat über weiter und am 27. Juli wurden schließlich 29 Arbeiter_innen, Familienangehörige und Unterstützer_innen mit viel körperlicher Gewalt festgenommen und abgeführt.

Seit diesen Verhaftungen haben Gruppen von mutigen Protestierenden vor der Polizeistation die Freilassung ihrer Kolleg_innen verlangt. Tausende Universitätsstudent_innen haben einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie sich mit den Jasic Arbeiter_innen solidarisieren.

Die Repression hat schließlich staatsterroristische Züge angenommen, als am 11. August 2018 die Aktivistin Shen Mengyu entführt wurde. Sie ist in dem Video zu sehen, wie sie ein Rede hält. Nachdem sie ihr Mathematikstudium abgeschlossen hatte, entschied sich Shen Mengyu dafür Fabrikarbeiterin zu werden. Sie arbeitete bei einem Honda Zulieferer in Guangzhou und wurde dort zur Arbeiter_innendelegierten gewählt und daraufhin gefeuert. Danach begann sie mit aller Kraft, den Kampf der Jasic Arbeiter_innen zu unterstützen. Hier eine bewegende Stellungnahme von Mengyu, in der sie erklärt, weshalb sie nach ihrem Studium der Mathematik angefangen hat in der Fabrik zu arbeiten, und die brutalen Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter_inen anprangert.

Am 11. August wurde Mengyu von drei unbekannten Männern gezwungen in ein Auto zu steigen und entführt. Zwei Studenten, die diesen Vorgang beobachtet hatten gingen zur Polizei, die jedoch wichtige Details der Aussage nicht zur Kennnis nahm. Über Mengyus Verbleiben ist immer noch nichts bekannt. Mehrere andere Aktivist_innen und Stundent_innen, die die Jasic Arbeiter_innen unterstützt hatten, sind ebenfalls entführt worden.

Von den 29 Festgenommenen wurden 15 am 12. August entlassen. Sie berichten, dass sie während ihrer Haft mißhandelt und bedroht wurden.
Der Kampf um die Freilassung der verbleibenden 14 geht weiter, ebenso wie der Kampf der Arbeiter_innen für eine echte und repräsentative Gewerkschaft.

Der chinesische Gewerkschaftsdachverband (ACFTU) ist dabei eine gelbe Gewerkschaft in der Jasic Fabrik aufzubauen, und hat das Ansinnen der Arbeiter_innen, ihre eigene Gewerkschaft aufzubauen abgelehnt. Der Kampf in der Jasic Fabrik wird deshalb so heftig ausgetragen, weil die Arbeiter_innen politische und nicht bloß ökonomische Forderung haben. Sie fordern von einer Gewerkschaft repräsentiert zu werden, die in den Augen des Dachverbandes ACFTU ungeeingnet ist.

Die Unterstützungsbewegung für die Jasic Arbeiter_innen wächst weiter. Immer mehr Studierende reisen nach Shenzen, um ihre Solidarität zu zeigen und es hat sich eine feste Solidaritätsgruppe gegründet.

Hier gibt es Textvorlagen für Protestmails:
http://www.labournet.de/interventionen/solidaritaet/musterprotestbriefe-an-die-chinesische-regierung-und-den-allchinesischen-gewerkschaftsbund-wegen-der-repression-gegen-die-basis-gewerkschafter-von-jasic-in-shenzhen/

Quelle: labournet.tv

Hier gibt es auch ein kurzes Video über die chinesischen Kolleg/innen:
Video von labournet.tv