Südfrankreich: Arbeiter übernehmen Tee-Fabrik des Unilever-Konzerns

aus „metall“, Mitgliederzeitung der IG Metall Nr. 4 April 2016

 

29.03.2016 Ι Der Unilever-Konzern wollte den Betrieb im südfranzösischen Gémenos dichtmachen. Das ließen sich die Arbeiter nicht gefallen und besetzten 1336 Tage lang ihre Fabrik. Am Ende übernahmen sie den Betrieb. Jetzt machen sie als Arbeiterkooperative ihren eigenen Tee „1336“. Wie es dazu kam, erklärt Gewerkschafter und Geschäftsführer Olivier Leberquier.

Wie war das für Euch, als Unilever die Schließung Eurer Fabrik ankündigte? Kam das überraschend?
Olivier Leberquier: Wir hatten bereits Anzeichen gespürt. Kurz zuvor hatten wir einen Konflikt mit einem Streik. Daher haben wir nicht ausgeschlossen, dass es eine Restrukturierung geben könnte, die einige Arbeitsplätze kostet. Aber dass dann die gesamte Fabrik geschlossen werden sollte, hat uns kalt erwischt.

Aus Eurer Sicht war die Schließung nicht nachvollziehbar? Wie sahen denn die Zahlen aus? Glaubt Ihr, Unilever hat Euch absichtlich ausbluten lassen?
Unilever fährt satte Gewinne ein, da die Preise für die Endverbraucher steigen, die Rohstoffpreise jedoch nicht. Uns wollten sie schlicht schließen, um ihre Profite weiter zu maximieren. Wir haben schon seit 2002 beobachtet, dass sie sich aus Gémenos zurückziehen wollten. Früher waren wir die einzige Fabrik weltweit, die bestimmte natürliche Aromen produzierte. Die haben sie uns weggenommen. Und überall haben sie neue Maschinen installiert, nur nicht in Gémenos. Nach und nach mussten wir Kapazitäten an andere Werke abtreten. Unsere Produktion hat sich halbiert – von 6000 auf 3000 Tonnen im Jahr.

Und warum habt Ihr Euch entschieden, zu kämpfen und die Fabrik zu besetzen? Hat Euch Unilever keine Abfindungen angeboten?
Unilever bot an, dass ein Teil der Belegschaft in die Werke in Brüssel und Polen wechseln kann – in Polen für 6000 Euro Jahresgehalt. Ein Witz. Wir wussten ja bestens über das Unternehmen und die Zahlen Bescheid. Klar gab es auch einige, die wollten, dass wir über Abfindungen verhandeln. Der Großteil hat jedoch gesagt: Alles dicht, sofort, das gibt’s doch nicht. Daher blieb uns nur der Kampf.

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Im Streik gegen deutsche Verhältnisse

14-06-2016

Vom Dach der Halle 7 des Bremer Mercedes-Werkes hängt ein Großtransparent mit folgendem Gruß von Mercedes-Arbeitern an die französischen Arbeiter, anlässlich ihres Großkampftages am heutigen Tag:
*WIR GRÜSSEN DIE FRANZÖSICHEN ARBEITER*

*IM STREIK GEGEN DEUTSCHE VERHÄLTNISSE*
*UN GRAND BONJOUR AUX OUVRIERS FRANCAIS *

*EN GRÉVE CONTRE LES CONDITONS ALLEMANDS*

Wir wünschen den französischen Arbeiterinnen und Arbeitern viel Erfolg im Kampf gegen den Import der unseligen Agenda 2010-Politik nach Frankreich

Laufende Berichterstattung im Labournet:

Labournet über Frankreich

Solidarität mit den protestierenden Gewerkschafter/innen in Frankreich

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Der AKI hat die folgende Solidaritätserklärung an die französischen Kolleginnen und Kollegen verabschiedet und verschickt.

Solidaritaetserklaerung des AKI

Rote Karte für „Loi Travail“

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Unter diesem Titel organisierten der Arbeitskreis Internationalismus, die Initiative Euro-Marsch und eine Seminargruppe aus Gewerkschaftern von Opel Bochum eine kleine Kundgeung vor der französischen Botschaft. Die Teilnehmer/innen der Aktion unterschrieben „Rote Karten“ mit einem Text, der ihren Protest gegen die Politik der französischen Regierung zum Ausdruck brachte. Die „Roten Karten“  wurden anschließend der Botschaft übergeben. Ver.di und die DGB-Jugend, auch Mitglieder bei Alter Summit, sahen sich dazu außerstande.

Hier der Aufruf von Alter Summit:

Rote Karte für „Loi Travail“

Das Alter-Summit-Netzwerk und seine Mitgliedsorganisationen unterstützen die sozialen Bewegungen in Frankreich in ihrem Kampf um die Rücknahme des Loi Travail und bekunden ihre uneingeschränkte Solidarität.

Wir alle, die wir in vielen Ländern Europas aktiv sind, wissen nur zu gut, welche Konsequenzen solche „Reformen“ nach sich ziehen. Diese „notwendigen Reformen“, die zunächst in Deutschland mit der Agenda 2010, später in Griechenland, Rumänien, Spanien, Italien, Portugal, Irland … durchgesetzt wurden, beeinträchtigen unser Leben. Prekarität wird besonders für die junge Generation zur Alltäglichkeit, Arbeitsbedingungen verschlechtern sich von Tag zu Tag, die Arbeitslosenzahl steigt und Flexibilität wird zur Norm.

Das Loi Travail ist Teil des Reformprogramms der nationalen Regierungen und der europäischen Institutionen. Das Programm untergräbt systematisch die Rechte aller Bevölkerungen und diese Entwicklung wird vorangetrieben, wenn sie nicht von einer breiten Widerstandsbewegung gestoppt wird. Unter solchen Umständen ist der Widerstand der sozialen Bewegungen in Frankreich von entscheidender Bedeutung für all unsere Kämpfe.

Wir verurteilen außerdem nachdrücklich die Kriminalisierung der Proteste sowie die Medienpropaganda, mit der versucht wird, die Öffentlichkeit von den wahren Zielen der Reform abzulenken.

Wir rufen dazu auf, die für den 23. und 28. Juni 2016 in Frankreich geplanten Aktionstage mit Akten der Solidarität zu unterstützen.

Brüssel, 17. Juni 2016

 

Stand der Dinge

Von unserem Frankreich-Korrespondenten

Diesseits und jenseits des Rheins : der Blick auf die Bewegung gegen das Loi Travail – das neue Arbeitsgesetz in Frankreich.

loi de travail

Seit dem 9. März mobilisieren Gewerkschaften, Schüler und Studentenorganisationen gegen das von der “ Hollande-Valls-Regierung “ in Frankreich geplante neue Arbeitsgesetz. Mit diesem Gesetz soll der Prekarisierungsprozess der französischen Lohn-Arbeitsverhältnisse vorangetrieben werden.  Entlassungen sollen erleichtert werden, die Wirksamkeit von Gesetzen kann durch Vereinbarungen auf Unternehmensebene unterlaufen werden, Gewerkschaften sollen in ihren Eingriffmöglichkeiten beschränkt werden.

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Frankreich – Agenda 2010 auf Französisch

Nach der Präsidentenwahl steht der radikale Umbau des Arbeitsmarktes bevor

Von Guillaume Paoli

In der neuesten Ausgabe der ver.di-Mitgliederzeitung findet sich eine treffliche Einschätzung der politischen und sozialen Situation Frankreichs nach der Wahl Emanuel Macrons zum Regierungschef.

Solch einen Artikel würden wir auch gerne einmal in der „metall“ lesen. Doch bereits während der Sozialproteste des letzten Jahres im Nachbarland  sah sich unser Vorstand nicht zu einer kritischen Bewertung des Loi Travail in der Lage. Das durfte man dann erst in einer Stellungnahme von IndustriALL lesen.

Weiter im ver.di-Artikel:
http://publik.verdi.de/2017/ausgabe-05/gewerkschaft/international/seite-8/A1

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Gegen einen Unterbietungswettlauf auf unsere Kosten

Die Delegiertenversammlung der Berliner IG Metall hat am Dienstag den 12. September
unten stehenden Antrag mit großer Mehrheit verabschiedet.

Antrag an die 7. Delegiertenversammlung der IG Metall Berlin am 12.September 2017

Antragsteller: Ortsvorstand auf Vorschlag des Arbeitskreis Internationalismus

Solidarität mit den französischen Gewerkschaften

Den Unterbietungswettbewerb in Europa auf Kosten von Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechten lehnen wir ab.

Der jetzige französische Präsident Macron hat erklärt, er wolle per Dekret das Arbeitsrecht so verändern, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmer verbessert wird. Zu befürchten ist die Verschlechterung der sozialen und politischen Rechte der Beschäftigten. Macrons AGENDA hat unter anderem die folgenden Ziele:

Die 35-Stundenwoche soll nur noch im dreijährigen Durchschnitt eingehalten werden.

– Es soll den Unternehmen ermöglicht werden, selbst die Höhe der Überstundenzuschläge festzulegen.

– Das Vetorecht von Gewerkschaften beim Abschluss oder Änderung von Tarifverträgen soll für kleinere Unternehmen aufgehoben werden.

– Betriebsbedingte Kündigungen sollen erleichtert, gesetzliche Mindestabfindungsregelungen gedeckelt werden.

Die französischen Gewerkschaften sind bereit für Veränderungen, lehnen jedoch einen Kahlschlag erkämpfter Rechte ab. Sie haben sich in die Konsultation zwischen Regierung und Sozialpartner konstruktiv eingebracht. Wählt die französische Regierung einen Weg ohne Beteiligung der Gewerkschaften, seht Frankreich vor einem erneuten heißen Herbst.

Die Delegiertenversammlung der IG Metall Berlin erklärt sich solidarisch mit dem Kampf unserer französischen Kolleginnen und Kollegen und fordert den Vorstand der IG Metall und des DGB auf, die Zusammenarbeit mit den französischen Gewerkschaften zu suchen und mehr als bisher in den gewerkschaftlichen Publikationen darüber zu berichten.

Weitere, laufende aktuelle Informationen zur Lage in Franklreich auf Labournet.de:

Widerstand gegen Macrons „Lo travail 2“ 2017

 

 

 

In Frankreich braut sich was zusammen

Eisenbahner_innenstreik in Frankreich

französisch mit dt. ut  | 4 min  |  2018

Am 22. März 2018 haben die Eisenbahner_innen in Frankreich gestreikt. Hier ein Interview mit einem Aktivisten von Sud Rail. Der von ihm erwähnte Spinetta Bericht „zur Zukunft des Eisenbahnsystems“ des früheren Chefs von Air France, Jean-Cyril Spinetta, bildet die Grundlage für die „Reform“ des Eisenbahnwesens, die am 20.2.2018 beschlossen wurde und gegen die die Eisenbahner_innen streiken.

Die Reform sieht u.a. vor, die bisherige öffentlich-rechtliche Bahngesellschaft SNCF in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Weitere Inhalte sind: „Das Personalstatut der Eisenbahner_innen, das bislang Laufbahn- und Gehaltsgarantien enthält, soll für alle neueingestellten Beschäftigten durch privatrechtliche Arbeitsverträge mit mehr oder minder frei verhandelbarem Inhalt ersetzt werden. Daneben planen die Regierung sowie die SNCF-Direktion, 9.000 Streckenkilometer Bahn als ‚wirtschaftlich unrentabel‘ wegzusparen.“ (Bernard Schmid/labournet.de)

Die Streiks der Eisenbahner_innen sollen in den nächsten Wochen mit anderen Kämpfen zusammenfließen. „Einer der – selbst parteilosen – Abgeordneten in der 17köpfigen Parlamentsfraktion von Mélenchons Wahlplattform La France insoumise („Das unbeugsame Frankreich“), François Ruffin, (…) ergriff eine Initiative, welche derzeit viel von sich reden macht, und regte eine Zentraldemonstration der unterschiedlichen sozialen Protestbewegungen am Samstag, den 05.05.18 an. An einem Vorbereitungstreffen im Pariser Gewerkschaftshaus am Abend des Mittwoch, 04. April nahmen rund 600 Menschen teil, die in den Saal passten, doch 1.200 weitere Personen fanden aus Platzgründen keinen Einlass und blieben vor der Tür.“ (Bernard Schmid/labournet.de)

Zum Video:
Video von labournet.tv