Einladung zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung: Ausgepreßt und weggeworfen?

Argentinische Gewerkschafter in Europa auf Solidaritätsreise

In diesem Jahr sind es 25 Jahre her. Der Putsch der chilenischen Generäle und das sich anschließende Blutbad 1973 machte damals den Weg frei für die ersten Praxisversuche der sog. „Chicago Boys“, Die Pinochet-Diktatur holte bedeutende Repräsentanten dieser neuen Doktrin ins Land, um mit ihrer Hilfe ein Wirtschaftskonzept zu erproben, dessen Voraussetzung die „Befreiung“ der Arbeiter von freien Gewerkschaften war. Heute wird dieser Kampf gegen diese Art der Wende – wenn auch mit unterschiedlicher Intensität und Konsequenz – nahezu überall in der Welt ausgetragen. Für die ArbeiterInnenbewegung in Argentinien bedeutet dies damit konfrontiert zu sein, daß Unternehmer und die Regierung versuchen – so Oskar Martinez, Gewerkschaftssekretär der argentinischen Metallgewerkschaft (U.O.M) – „uns zu versklaven oder umzubringen, wenn wir für unsere Minimalrechte eintreten“. Hatte die Regierung Alfonsin in den 80ern auf Feuerland eine Freihandelszone eingerichtet, in der sich Unternehmen wie Hitachi, Philips oder Grundig zu Vorzugsbedingungen ansiedelten, so versuchen diese Konzerne heute dort ihre Betriebe wieder dichtzumachen. Sie wollen den Landesteil, in dem eine junge MigrantInnengeneration eine aktive ArbeiterInnenbewegung organisiert hat, wieder verlassen, um in andere Landesteile zu gehen, die heute finanziell genauso verlockend jedoch nicht so stark organisiert sind. Diese Politik der „verbrannten Erde“ wird jedoch nicht einfach hingenommen. Um die Schließung ihrer Fabrik zu verhindern, haben die Beschäftigten der Firma Continental Fuegina 1995 das Werk besetzt, worauf der Gouverneur die Besetzung unter Inkaufnahme von Schwerverletzten gewaltsam beenden ließ. Diese Aktion löste eine Kette von Firmenboykotts sowie von Demonstrationen aus, bei der ein Bauarbeiter erschossen wurde. Nachdem aktive Gewerkschafter darauf mit Streiks in der gesamten Provinz reagiert haben, wurden führende Repräsentanten der Metallgewerkschaft mit einer Prozeßwelle überzogen. Zwar gelang durch eine erste Welle von Solidaritätserklärungen von Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen einen Freispruch für Oskar Martinez zu erreichen, doch stehen weitere Prozesse an. Um sich dagegen erfolgreich zur Wehr zu setzen, beauftragte der Delegiertenkongreß der argentinischen MetallerInnen deshalb Oskar Martinez mit einer Rundreise durch Europa, um dort die Prozesse gegen insgesamt 600 GewerkschafterInnen bekannt zu machen und um Unterstützung zu werben.

Wir freuen uns, daß die Kollegen Oskar Martinez und Juan Carlos Cordoba aus Feuerland/Argentinien Anfang November nach Berlin kommen und unsere Gäste sind. Wir hoffen in einer Diskussionsveranstaltung einmal mehr über aktuelle Auseinandersetzung und über die argentinische Arbeiterbewegung zu erfahren. Zum anderen wollen wir beraten, wie die Unterstütung am wirkungsvollsten aussehen kann.

Mittwoch, 4.November 1998, 18 Uhr

im Haus der IG Metall, Alte Jakobstr. 148, Kreuzberg, (Linie 1/ Hallesches Tor)

Veranstalter: IGM-AK Internat. Berlin