„Factory Complex“ – Filmpremiere und Gespräch

Der Korea Verband zeigt am 15. Juni 2016 in Berlin gemeinsam mit dem Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin und dem INKOTA netzwerk e.V. den Film „Factory Complex“ erstmalig mit deutschen Untertiteln.

Juni 15, 18:00 – 21:00
Eintritt frei

Factory-Complex-Flyer-Seite-1

Über den Film
Südkoreas Wirtschaftskraft setzt die Welt in Erstaunen. Wie sehr sie jedoch auf der Ausbeutung von Arbeitskräften basierte, wurde bislang kaum wahrgenommen.

Der Videokünstler Im Heung-soon, dessen Mutter in einer Textilfabrik arbeitete, macht sie sichtbar: Arbeiterinnen, die die Grundlage für Südkoreas Aufstieg zur Wirtschaftsmacht schufen und dafür mit ihrer Gesundheit, oft mit dem Leben bezahlten. Im Heung-soon spannt den Bogen zur globalisierten Konsumwelt von heute, in der es wiederum Frauen sind, die in Textilfabriken, der Elektroindustrie, in Supermärkten, Callcentern oder als Servicekräfte den Laden am Laufen halten, kaum genug zum Leben verdienen und immer freundlich lächeln. Die nüchterne Chronik der Ausbeutung, erzählt in Interviewpassagen, durchwebt er mit surrealistisch-experimentellen Performances. Sie individualisieren den Schmerz derjenigen, die sonst als Masse und Humankapital wahrgenommen werden.

Factory Complex, zwischen Kunst und Dokumentation changierend, gewann den Silbernen Löwen bei der 56. Kunstbiennale in Venedig. In der Begründung hieß es, Heung-soon Im übersetze die traurige Realität ausbeuterischer Arbeitsbedingungen von Frauen in Asien in eine wunderbare Bildsprache. Sein wie ein Dokumentarfilm anmutender Videobeitrag nähere sich den Figuren mit einer solchen Intensität, dass jede Einstellung für sich ein Gemälde ist.

Gespräch nach der Aufführung mit: Chong-Gak Lee, ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft der Textilindustrie, und Berndt Hinzmann, INKOTA netzwerk e.V.  Moderiert von Hans Köbrich, Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin.

Chong-Gak LEE war Arbeiterin, dann Vorsitzende der Gewerkschaft in der Dong-Il-Textilfabrik; sie war dort aktiv u.a. in den Arbeitskämpfen von 1976-1978 und hatte seitdem viele verschiedene Funktionen inne, so z.B. als Ko-Präsidentin der Vereinigung der NGOs für die Demokratisierung in Incheon oder als Vorsitzende der Kommission für Bügerbeteiligung bei der Aufstellung des Haushalts in einem Stadtteil von Incheon.

Berndt Hinzmann ist Referent der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Cloth Campaign) bei INKOTA netzwerk e.V.

Details
Datum: 15. Juni 2016, 18:00 – 21:00 Uhr
Ort: IG Metall Berlin, Alte Jakobstr. 149, Berlin
Veranstalter: Korea Verband, Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin und  INKOTA netzwerk e.V.

Gefördert von: Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt