Kampf gegen Leiharbeit auch in China

Von unseren Kollegen des Portals „Chezduzen“ bekamen wir die folgende Nachricht:

„Wer die Berichterstattung im Labournet verfolgt, kennt wohl so etwa die Situation der Leiharbeiter bei VW Changchun, Nordchina. Auch wenn ihnen Equal Pay nach chinesischem Arbeitsrecht zustehen würden, erhalten sie nur rund die Hälfte. Vor einem Jahr begannen sie ihre Rechte einzufordern. Als es über Gewerkschaft und Behörden keinerlei Erfolg hatten, begannen sie in diesem Jahr mit öffentlichen Protesten. Der Staat reagierte mit Repression, kriminalisierte den Protest und verhaftete Aktivisten. Vor einigen Wochen erklärten der Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh und der Eurobetriebsrat Frank Patta sich für nicht zuständig für die Arbeitsbedingungen bei der VW Produktion in China. Als vor wenigen Tagen der Weibo-Internetaccount der Protestierenden Arbeiter gesperrt und gelöscht worden ist und gegen den mehr als einem halben Jahr einsitzenden Sprecher der Arbeiter Anklage erhoben worden ist, beschlossen wir bei unserem Chefduzenstammtisch, in Deutschland aktiv zu werden. Hier findet man den Urheber dieses Unrechts, aber es ist hier nicht so riskant zu protestieren, wie in China. Wir beschlossen mit einem Infotisch nach Wolfsburg  zu fahren. Die Aktion war erfolgreicher, als wir es uns erträumt hatten:“

Chefduzen zu Soli-Aktion in Wolfsburg

Die eigentliche Überraschung lag darin, daß wir mit unserer Miniaktion eine Berichterstattung in beiden Wolfsburger Tageszeitungen ausgelöst haben. Wir wollen weiter am Ball bleiben.“

 

Fortsetzung der Korrespondenz im Dezember:
(Wir zitieren in Ausschnitten)

Die Leiharbeiter in China sind halbwegs informiert über die Diskussion hier. Sie kriegen die wichtigsten Berichte übersetzt. Sie sagen, VW und der Betrtiebsrat lügen wie gedruckt. Die behaupten ja, die Situation sei so gut wie gelöst. Die Arbeiter sagen, die Situation ist z.Zt. schlechter als zuvor. Die angebotenen neuen Jobs befinden sich großteils in anderen Städten und sind verknüpft mit Verzichtserklärungen auf den seit Jahren unterschlagenen Lohn. Die Reduzierung der Leiharbeitsplätze ist Augenwischerei, die Arbeitsplätze werden durch noch schlimmere Ausbeutungsformen ersetzt: Praktikantenstellen. Ähnlich wie beim Apple Zulieferer Foxconn werden Studenten/Berufsschüler zur nahezu unbezahlten Arbeit mißbraucht. Sie müssen für ihre Ausbildung/Studium Praktika machen, wenn sie sich weigern, kriegen sie keinen Abschluß.

Die Arbeiter sagen auch, daß Druck/Repression zugenommen hat. Einzelne Aktivisten wurden bedroht, andere stehen nun unter Dauerüberwachung. Das schafft große Probleme. Ich versuche einen Interviewpartner zu bekommen oder eine Möglichkeit, daß man die Aussagen über die Situation vor Ort, Journalisten als glaubhaft präsentieren kann. Es ist aber die Angst so groß geworden, daß niemand im Vordergrund stehen möchte und auch die Frau des inhaftierten Fu Tianbo kein Inverview geben möchte. (Sie hat zuvor mit den Medien gesprochen.)

Am Freitag wollen NGO Aktivisten einen kleinen Protest in Hongkong machen, weil ein großer Teil der Leiharbeiter zum Jahreswechsel den Job verlieren soll (von wegen, sie werden alle übernommen als Festangestellte) und im Januar wollen wir versuchen eine weitere Protestaktion hier auf die Beine zu stellen.

Die Situation ist also recht schlimm und von unserer Seite ist es nicht einfach, wenn man nicht mit belegbaren Infos an die Medien treten kann…

Es sind direkte Auswirkungen der Repression in China, die Arbeiter sind von der Polizei informiert worden, daß eine Kontaktaufnahme zu ausländischen Medien sich für sie negativ auswirken würde. Sie gehen davon aus, daß ihre e-Mails und sozialen Medien überwacht werden. Diese Einschätzung ist realistisch.

Wir haben in Deutschland im Moment noch Möglichkeiten, die den Kollegen in China versperrt sind und wir sollten sie nutzen. Sie brauchen unsere Solidarität. Öffentlichkeitsarbeit, aber auch innergewerkschaftliche Diskussionen und Intiativen machen Sinn, insbesondere in der Autoindustrie selbst.