Keine Sympathie für Trumps Raketenangriff bei Berliner Syrer

Syrien

Mit dem Raketenangriff auf Syrien vor einer Woche hat sich Donald Trump unter den in Berlin lebenden Syrern nur wenig Freunde gemacht. »Natürlich sind die Berliner Syrerinnen und Syrer selten einer Meinung. Aber Jubelschreie habe ich keine gehört«, sagt eine ehemalige Oppositionspolitikerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. »Fast alle meiner Landsleute lehnen den Schritt von Trump ab. Die wenigen, die ein wenig Hoffnung haben, dass der Militärschlag die Islamisten, Baschar al-Assad oder sogar Putin schwächen könnte, reagierten sehr verhalten, weil sie Trump mit Skepsis begegnen«, sagt die Kurdin. »Dabei begrüßen viele Syrer und syrische Kurden eigentlich jeden Schritt, der den Diktator Assad und die Islamisten schwächt.« Doch Donald Trump könne sie als Assad-Gegner nicht wirklich ernst nehmen. »Und das nicht nur wegen seines irrationalen Hasses auf Moslems. Trump handelt spontan, unüberlegt, undiplomatisch, setzt einseitig auf militärische Lösungen und ist damit sehr gefährlich. Es wäre besser, er hielte sich aus dem Konflikt ganz heraus, denn eine deeskalierende Rolle traue ich ihm nicht zu.«

7000 syrische Staatsbürger leben in Berlin, die meisten von ihnen sind Flüchtlinge. Einen Verein, der ihre Interessen vertritt, gibt es nicht. Die Kommunikation untereinander findet hauptsächlich im Internet statt. Auf Facebook beispielsweise oder auf Seiten, die von Berliner Syrern geschaffen wurden. Die Online-Zeitung »eedbeeed« ist so ein Beispiel. Hier schreiben Flüchtlinge aus verschiedenen arabischen Staaten über ihr Ankommen in Berlin, das Leben in der Stadt (»nd« berichtete). Sie stellen Integrationsangebote vor oder schreiben über Demonstrationen vor der russischen Botschaft gegen Putins Unterstützung für Assad. Der syrische Projektleiter Ahmad Denno hat auch eine Meinung zu Trumps militärischem Manöver: »Wir brauchen Frieden und Demokratie in Syrien. Und die lässt sich nicht militärisch herbeizaubern«, sagt er. »Darum findet Trumps militärisches Abenteuer bei mir keine Zustimmung. Auf der einen Seite ist ein Militärschlag gegen Assad natürlich ein Signal an Russland, den Iran und die Türkei, dass ihr Handeln in Syrien nicht toleriert wird. Aber eine Lösung ist es nicht.« Der Schlüssel für eine Lösung in Syrien liegt Denno zufolge bei Russland und Putin. Putin müsse endlich aufhören, den Diktator militärisch zu unterstützen.
Salem Jaata, der 2014 als Flüchtling nach Berlin kam und heute als Elektriker arbeitet, hat für Trump nur Spott übrig. »Meiner Meinung nach hat er Syrien bombardiert, um seiner Tochter einen Gefallen zu tun«, sagt er. Auch Yusuf B., der ebenfalls seit 2014 in Berlin lebt und als Softwareentwickler arbeitet, nimmt Trump nicht ernst. »Der Militärschlag war doch innenpolitisch motiviert. Trump wollte damit in den USA zum Helden werden und sein negatives Image bei seinem eigenen Volk loswerden.«
Mohammad Fadi Salem ist Lehrer. Im Libanon hat er eine Flüchtlingsschule geleitet, Nach langem Suchen hat er in Berlin eine Stelle als Familienhelfer gefunden. In seinen Augen ist Trumps Militärschlag »nur ein Spiel gegenüber Russland, das ich nicht ernst nehmen kann. Es gibt keine Chance, dadurch etwas zu verändern.« Nach sechs Jahren Bürgerkrieg würde er sich eigentlich über jede Schwächung von Assad freuen. »Aber diese Schwächung muss eine politische Einigung sein zwischen Russland und der EU oder der USA, kein militärisches Abenteuer.« Salem lehnt die russische Unterstützung für Assad ebenfalls ab. »Es geht in Syrien darum, dem Diktator die Macht zu entziehen und Demokratie zu erreichen. Wenn Russland sich zurückzieht und Assad seine Basis verliert, werden wir auch mit den Islamisten fertig.«

Marina Mai

Quelle: „Neues Deutschland“, 15.4. 2017