Matthias, AKI: „Die Transformation wird nicht im Einvernehmen mit den Unternehmen stattfinden“

Kolleginnen und Kollegen,

Der Klaus hat eben darauf hingewiesen, auf die Unterschiede zwischen uns, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, die davon leben müssen, und denen, die damit Gewinne machen, die damit Steuersparmodelle und dubiose Finanztransaktionen machen können.

Ich möchte darauf eingehen, was der Unterschied zwischen denen und uns in der Corona-Krise ist. Es könnten bald 10 Millionen in Kurzarbeit sein. 100% Kurzarbeit mit 60% vom Netto bedeutet für im Niedriglohnland Deutschland, dass sie an der Armutsgrenze sind. Dazu sind zehntausende jetzt schon arbeitslos geworden und viele weitere sind davon bedroht.

Die Herren und Damen, die hier oben ihre Interessen vertreten sehen, sind wesentlich dreister als wir. Sie fordern Milliarden aus Steuergeldern, sie fordern sie als Geschenk, nicht als Kredit. Sie fordern diese Gelder ohne Auflagen, wo und wie sie sie investieren.

Wir als Beschäftigte, wenn wir denn Kurzarbeitergeld kriegen, haben das alles selber eingezahlt mit unseren Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung. Wir finanzieren unsere Rettung selbst!

Diese Damen und Herren wollen iher Rettung aus Steuermitteln gezahlt bekommen und sie haben keinen Grund – aus ihrer Sicht – auf ihre Aufsichtsratstantiemen zu verzichten, auf ihre Dividenden zu verzichten oder auf ihre Millionen Euro Managergehälter zu verzichten.

Aber diese Ungerechtigkeit, die in der Behandlung dieser Krise sichtbar wird, die dem „Wir gehen alle gemeinsam durch diese Krise“ Hohn spricht, ist nur ein Signal für das, was noch kommen wird.

Das wird alles viel schlimmer! Wir als Arbeitende müssen höchste Aufmerksamkeit darauf richten, was jetzt noch kommt!

Die Corona-Krise überdeckt zwei andere Krisen: Einmal die tiefe Wirtschaftskrise, die sich schon in den letzten Monaten abgezeichnet hat und die globale Klima-Katastrophe. In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass es so nicht weiter geht auf dieser Welt!

Es darf jetzt auf keinen Fall eine Normalisierung kommen, die eine Rückkehr zu umweltschädlicher Produktion bedeutet. Es ist ein Skandal, wenn jetzt die Auto-Industrie Abfrackprämien fordert, um Autos zu verkaufen, die die gleichen Abgase ausstoßen, wie vor 3 Monaten!

Schon im letzten Jahr war die Rede davon, dass die Auto-Industrie in den nächsten Jahren 400 000 Arbeitsplätze vernichten will. Mit Corona können wir sicher sein, dass dieser Angriff schneller kommen wird! Viele Betriebe, die in Kurzarbeit gegangen sind, werden nicht wieder aufmachen.

Ihr habt vielleicht von dem Streik bei Voith in Sonthofen gehört. Die Kolleginnen und Kollegen haben mit 98% für Streik gestimmt, alle IG Metall Mitglieder hatten sich an der Abstimmung beteiligt. Das ist ein Signal!

Voith ist nicht der einzige Betrieb, der bedroht ist. Aber es ist die erste Belegschaft, die verstanden hat, dass es nötig ist zu kämpfen!

Wir müssen uns überlegen, was die Schlüsselforderungen sind, wenn dann das ganze „Gemeinschafts-Getue“ beendet wird und die Rechnungen präsentiert werden: Für die

Milliardengeschenke aus den Staatsfinanzen an die Unternehmen. Und die Rechnungen, die jetzt in den Konzernzentralen geschrieben werden, dass so wie vor zehn Jahren, wir wieder für die Krise der Kapitalisten zahlen sollen:

– Mit Arbeitsplatzverlust

– Mit Lohnkürzungen

– Mit Reallohnsenkungen

– Mit Rentenkürzungen und was sie sonst noch auf der Agenda hatten.

Ganz wichtig ist, was die IG Metall seit einem Jahr sagt: Dass die Transformation nicht auf unsere Kosten stattfinden darf!

Die Transformation muss jetzt kommen, aber es ist klar, dass sie nicht im Einvernehmen mit den Unternehmen stattfinden wird, das kann nur im Konflikt mit mit ihnen stattfinden, wenn sie sozial und ökologisch sein soll. Es ist nötig, was unsere Gewerkschaft klar sagt, wofür wir eintreten, was wir fordern und welche Transformation wir wollen.

Wir dürfen nicht hinter den Unternehmen hinterherrennen, zum Beispiel der Auto-Industrie mit ihren Elektro-Autos, um dann die Umwelt auf andere Weise kaputtzumachen!

Wir brauchen zum Beispiel mehr und innovative öffentliche Transportsysteme und kombinierte Transportsysteme. Dass wir deutlich mehr medizinische Instrumente und Einrichtungen auf dieser Welt brauchen, haben wir alle gerade gesehen.

Es ist entscheidend, dass diese Umstellung von uns in die Hand genommen wird. Wir dürfen nicht hinter den Produktmanagern der Auto-Industrie hinterherlaufen. Die Menschen, die in den Betrieben Produkte und Verfahren entwickeln und produzieren, müssen entscheiden, was gebaut wird!

Wenn die Unternehmen Betriebe dichtmachen, wie bei Voith und vielen anderen Betrieben, In der Auto- und ZulieferIndustrie, dann muss man ihnen die Betriebe wegnehmen, die sie eh nicht mehr haben wollen.

Wenn sie die Betriebe nicht mehr wollen, wir nehmen sie gerne unter ArbeiterInnenkontrolle und dafür sind dann die Steuermilliarden der „Rettungspakete“ sinnvoll angelegt. Hier ist die IG Metall gefordert. Es hat keinen Sinn an die „Fairness“ der Kapitalisten zu appellieren, es bringt nichts darauf zu hoffen wie Jörg Hofmann, dass wenn die Betriebe gerettet werden auch unsere Arbeitsplätze gerettet werden.

Wir müssen unsere eigenen Postionen entwickeln und unsere eigene Kraft, um sie auch durchzusetzen. Nochmal zum Beispiel von Voith, Sonthofen. Dieser Streik, der super begonnen hat, findet rein rechtlich gesehen für einen Sozialtarifvertrag statt, also für einen Sozialplan, an dem auch die Gewerkschaft mitwirkt. Das ist zu wenig.

Wenn diese Belegschaft nicht alleine damit gelassen wird, sondern sich die IG Metall als gesamte Organisation dahinter stellt, dann ist etwas anders möglich, dann ist eine Zukunft für das Werk möglich: Eine Fortführung des Betriebes, eine Entscheidung für zukunftsfähige Produkte. Wenn wir als Gewerkschaft das gemeinsam in die Hand nehmen, wenn sich eine echte Bewegung bildet, dann ist mehr möglich als den Betrieb nur etwas kämpferischer abzuwickeln.

Durch die Gewerkschaft muss ein Ruck gehen, dann können wir die Zukunft gestalten, dafür werden heute die Weichen gestellt und dieser Erste Mai ist ein Signal dafür!