Nicaragua: Solidarität mit der Demokratiebewegung – Diskussionsveranstaltung mit Matthias Schindler

Freitag, 15. Februar 2019, 18 Uhr, Café MadaMe, Mehringplatz 10 (U Hallesches Tor), Berlin-Kreuzberg

Seit April 2018 hat die staatliche Repression in Nicaragua über 400 Todesopfer gefordert. Die Regierung Ortega-Murillo bezeichnet sich selbst als „sozialistisch, christlich und solidarisch“. Dennoch versuchte sie, eine friedliche Protestbewegung mit Waffengewalt zu unterdrücken. Diese Bewegung entzündete sich an verschiedenen ökologischen und sozialen Problemen, richtete sich aber sehr schnell gegen das Regime Ortega-Murillo selbst.

Seit der Sandinistischen Revolution in den 1980er Jahren befand sich Ortega 16 Jahre in der Opposition, bis er 2006 wieder zum Präsidenten Nicaraguas gewählt wurde. Durch eine lange Reihe von Pakten, Verfassungsänderungen und Verfassungsbrüchen, Willkürmaßnahmen, Aneignungen öffentlichen Eigentums, Begünstigungen seiner Familie, Wahlfälschungen, kleine Verbesserungen für die Armen, große Verdienstmöglichkeiten für die Reichen und eine reaktionäre Politik zum Gefallen der Kirchen machte sich Ortega zum alleinigen Herrscher und zu einem der reichsten Männer Nicaraguas.

Teile der lateinamerikanischen Linken, vor allem in Venezuela und Kuba, aber auch der deutschen und europäischen Linken vertreten die Auffassung, dass die aktuelle Demokratiebewegung in Wirklichkeit ein US-gesteuerter Putschversuch gegen die Regierung Ortega sei. Außerdem verteidigen sie auch sein Regime unter Hinweis auf eine Reihe von Sozialprojekten.

Das Sandinistische Nicaragua der 1980er Jahre war einmal die große Hoffnung einer ganzen politischen Generation, die sich für einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz einsetzte. Die Sandinisten errichteten eine Gesellschaft mit diversen politischen Parteien, demokratischen Wahlen, pluralistischen Massenorganisationen, Glaubensfreiheit und Menschenrechten. Das Sandinistische Modell erschien als die lebendige Gegenthese zum erstarrten „realen Sozialismus“ des sowjetischen Lagers (und auch zu den autoritären Regimes in Vietnam, Angola, Kambodscha oder Iran).

Wie konnte diese faszinierende Revolution derart degenerieren, dass einer ihrer Führer heute mit brutaler Gewalt das eigene Volk unterdrückt? Liegen die Ursachen hierfür in den Machtansprüchen Washingtons? Ist das Regime Ortega noch eine Variante linker Politik? Hätte es Alternativen gegeben? Wie soll die Linke auf die aktuelle Situation reagieren?

Wir haben Matthias Schindler – einen Veteranen der Solidaritätsbewegung mit Nicaragua – eingeladen, um über die Hintergründe der Ereignisse zu berichten und über die Perspektiven zu diskutieren – unter dem Motto: Sozialismus und Demokratie für Nicaragua.

Veranstalter: Nicaragua-Solidarität Berlin in Verbindung mit SOS Nicaragua-Alemania und ISO – Internationale Sozialistische Organisation