Protest gegen die Verhaftung chinesischer Gewerkschaftsaktivist/innen

Auch der Arbeitskreis Internationalismus beteiligte sich an der von labournet.tv organisierten Protestaktion vor der chinesischen Botschaft am 28. August 2018. Am Ende der Kundgebung wurde ein Protestbrief in den Briefkasten der Botschaft gesteckt. Prinzipiell scheuen die Mitarbeiter der Botschaft  bei solchen Aktionen Geischt zu zeigen und Protestbotschaften entgegenzunehmen.

 

Shenzen, August 2018 – Im Zusammenhang mit dem Versuch von Arbeiter_innen, in der Schweißgerätefabrik Jasic eine Gewerkschaft aufzubauen, hat sich eine sehr zugespitzte Situation von Repression und eine ungewöhnliche Solidaritätsbewegung für die kämpfenden Arbeiter_innen entwickelt.

Im Juli waren sieben Arbeiter entlassen worden, weil sie versucht hatten eine Gewerkschaft aufzubauen. Die Proteste gegen die Entlassungen gingen den ganzen Monat über weiter und am 27. Juli wurden schließlich 29 Arbeiter_innen, Familienangehörige und Unterstützer_innen mit viel körperlicher Gewalt festgenommen und abgeführt.

Seit diesen Verhaftungen haben Gruppen von mutigen Protestierenden vor der Polizeistation die Freilassung ihrer Kolleg_innen verlangt. Tausende Universitätsstudent_innen haben einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie sich mit den Jasic Arbeiter_innen solidarisieren.

Die Repression hat schließlich staatsterroristische Züge angenommen, als am 11. August 2018 die Aktivistin Shen Mengyu entführt wurde. Sie ist in dem Video zu sehen, wie sie ein Rede hält. Nachdem sie ihr Mathematikstudium abgeschlossen hatte, entschied sich Shen Mengyu dafür Fabrikarbeiterin zu werden. Sie arbeitete bei einem Honda Zulieferer in Guangzhou und wurde dort zur Arbeiter_innendelegierten gewählt und daraufhin gefeuert. Danach begann sie mit aller Kraft, den Kampf der Jasic Arbeiter_innen zu unterstützen. Hier eine bewegende Stellungnahme von Mengyu, in der sie erklärt, weshalb sie nach ihrem Studium der Mathematik angefangen hat in der Fabrik zu arbeiten, und die brutalen Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter_inen anprangert.

Am 11. August wurde Mengyu von drei unbekannten Männern gezwungen in ein Auto zu steigen und entführt. Zwei Studenten, die diesen Vorgang beobachtet hatten gingen zur Polizei, die jedoch wichtige Details der Aussage nicht zur Kennnis nahm. Über Mengyus Verbleiben ist immer noch nichts bekannt. Mehrere andere Aktivist_innen und Stundent_innen, die die Jasic Arbeiter_innen unterstützt hatten, sind ebenfalls entführt worden.

Von den 29 Festgenommenen wurden 15 am 12. August entlassen. Sie berichten, dass sie während ihrer Haft mißhandelt und bedroht wurden.
Der Kampf um die Freilassung der verbleibenden 14 geht weiter, ebenso wie der Kampf der Arbeiter_innen für eine echte und repräsentative Gewerkschaft.

Der chinesische Gewerkschaftsdachverband (ACFTU) ist dabei eine gelbe Gewerkschaft in der Jasic Fabrik aufzubauen, und hat das Ansinnen der Arbeiter_innen, ihre eigene Gewerkschaft aufzubauen abgelehnt. Der Kampf in der Jasic Fabrik wird deshalb so heftig ausgetragen, weil die Arbeiter_innen politische und nicht bloß ökonomische Forderung haben. Sie fordern von einer Gewerkschaft repräsentiert zu werden, die in den Augen des Dachverbandes ACFTU ungeeingnet ist.

Die Unterstützungsbewegung für die Jasic Arbeiter_innen wächst weiter. Immer mehr Studierende reisen nach Shenzen, um ihre Solidarität zu zeigen und es hat sich eine feste Solidaritätsgruppe gegründet.

Hier gibt es Textvorlagen für Protestmails:
http://www.labournet.de/interventionen/solidaritaet/musterprotestbriefe-an-die-chinesische-regierung-und-den-allchinesischen-gewerkschaftsbund-wegen-der-repression-gegen-die-basis-gewerkschafter-von-jasic-in-shenzhen/

Quelle: labournet.tv

Hier gibt es auch ein kurzes Video über die chinesischen Kolleg/innen:
Video von labournet.tv