Sechs Schüsse gegen Arbeitsrechte

Erneut Gewerkschafter in Kolumbien getötet / Zahl der Morde 2013 wieder gestiegen

aus: NEUES DEUTSCHLAND
von Knut Henkel

24.01.2014

Wenige Tage nach Jahresauftakt wurde in Kolumbien ein Elektrotechniker erschossen. Das Arbeitsministerium verurteilte das zwar, doch die Zahl der Morde an Gewerkschaften stieg 2013 wieder an.

Ever Luis Marín Rolong wartete in der kleinen Stadt Soledad im Norden Kolumbiens auf den Bus zur Arbeit, als die Killer kamen. Sechsmal schossen sie auf den Elektrotechniker, der in der Brauerei Águila in Barranquilla arbeitete. Ever Luis Marín Rolong, der gewerkschaftlich organisiert war, wurde nach den Schüssen der Sicarios, so werden die Killer in Kolumbien genannt, schwer verletzt ins Polizeikrankenhaus geschafft, wo er wenige Stunden später starb.

Ein Grund für den erste Mord an einem Gewerkschafter in Kolumbien im Jahr 2014 könnte sein, dass sich die Gewerkschaft Sinaltraceba gerade in Tarifverhandlungen mit den Eigentümern der Brauerei befand. Marín Rolong war Mitglied in einer der Kommissionen der Gewerkschaft, so geht es aus einer Erklärung des Gewerkschaftsdachverbandes CUT hervor. Einschüchterung der Gewerkschaft könnte das Motiv des Auftragsmordes gewesen sein, der wie so oft von zwei jungen Männern auf einem Motorrad ausgeführt worden war. Einen Tag nach dem Mord ging beim Gewerkschaftssekretär der Sinaltraceba ein Anruf ein, in dem ein gewisser »Joaquín« ihn mit dem Tod bedroht habe, so erklärte ein CUT-Sprecher am 6. Januar in Bogotá. Das legt einen paramilitärischen Hintergrund nahe.

Die CUT forderte lückenlose Aufklärung von Präsident Juan Manuel Santos, der Generalstaatsanwaltschaft und der Polizei. Doch schon zwei Tage später erklärte Edgar Muñoz von der ermittelnden Polizeibehörde in Barranquilla im Verwaltungsbezirk Atlantico: »Nach unseren Untersuchungen konnten wir weder Beweise noch Indizien auffinden, dass das Opfer bedroht worden ist. Wir müssen davon ausgehen, dass es sich um einen Einzelfall handelt, der nichts mit dem gewerkschaftlichen Engagement des Toten zu tun hat.« Weshalb Marín Rolong jedoch gezielt niedergestreckt wurde, dafür hat die Polizei keine Erklärung. Wie so oft.

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Óscar Arturo Orozco, ist ein kolumbianischer Gewerkschafter, der Präsident des Gewerkschaftsverbandes CUT der Region Caldas.

Er wurde kürzlich auf einer friedlichen Demonstration brutal angegriffen und befindet sich derzeit in kritischem Zustand im Krankenhaus.

Die globale Gewerkschaft IndustriALL hat eine große globale Online-Protestkampagne gestartet mit der Forderung, die Gewalt gegen und Angriffe auf Gewerkschafter_innen zu beenden. Bitte nehmt Euch einen Augenblick Zeit und verschickt Eure Protestnachricht:

http://www.labourstartcampaigns.net/show_campaign.cgi?c=2142

Gleichzeitig gehen die Morde an kolumbianischen Gewerkschafter_innen weiter.

Zuletzt erreichte uns die Nachricht, dass Ever Luis Marín Rolong, ein regionaler Vorsitzender der Brauerei-Gewerkschaft SINALTRACEBA, am 4. Januar von unbekannten Killern ermordet wurde, die sechsmal auf ihn schossen, während er in der Stadt Soledad auf den Bus wartete.

Die internationale Lebensmittelgewerkschaft IUL hat eine Online-Protestkampagne gestartet, die ein Ende der Morde fordert und die Regierung auffordert, gefährdete Gewerkschafter_innen zu schützen:

http://www.iuf.org/w/?q=de/node/3079

Ich rufe Euch normalerweise nicht auf, zwei Kampagnen an einem Tag zu unterstützen, aber in diesem Fall ist es so wichtig, dass ich Euch einfach darum bitten muss.

Vielen Dank,

Eric Lee