Silvia, Krankenschwester bei Vivantes, Bezirksfachbereichsvorstand ver.di: „Wir werden es nicht zulassen, dass das nach der Krise wie vor der Krise wird“.

 

Wie hat das alles angefangen? Die Bilder aus China wurden noch nicht wirklich ernst genommen. Das war weit weg. Als die Bilder aus Italien kamen, änderte sich das.Plötzlich verstummten die Stimmen, die sagten, dass wir zu viele Krankenhausbetten haben. Plötzlich können Operationen abgesagt und verschoben werden.

Was von vornherein klar wurde: das Schutzmaterial reicht nicht – es gab Schulungen, wie man sparsam mit Schutzmaterial umgeht. Vorher geltende hygienische No Go s wurden über den Haufen geworfen.

Und gleich wurde uns, die im Krankenhaus arbeiten, klar, hier wird wieder eine Politik über unsere Köpfe hinweg gemacht. Es werden fertige Konzepte vorgestellt, es kommt niemand auf die Idee, die zu fragen, die diese umsetzen sollen.

Bilder wie in China und Italien und dann auch Frankreich und Spanien sollten nicht entstehen. Aber es wurde auch nicht gefragt und informiert, wie wir das hier verhindern können. Es schien, als würden als erstes unsere Rechte außer Kraft gesetzt: Es wurde der Eindruck vermittelt, dies ist wie ein Krieg und da gelten keine Arbeitnehmerrechte mehr. Ein Beispiel dafür ist die Verordnung, die die Ausweitung der Arbeitszeit auf 12 Stunden und die Einschränkung der Ruhezeit von 10 auf 9 Stunden möglich macht. Berichte aus China besagten, dass die Ansteckungsrate unter dem Personal erst runterging, als die Arbeitszeit verkürzt wurde.. Eigentlich logisch, oder? Je länger man arbeitet – vor allem mit Schutzkleidung – desto schwieriger wird es mit der Konzentration und das Risiko der Infektion steigt. Dafür braucht man natürlich mehr Personal. Und was macht unser Gesundheitsminister? Setzt gleich die minimalen gesetzlichen Vorgaben für Pflegepersonal außer Kraft.

Und was haben wir gemacht? Uns gewehrt – wir haben alles aufgeschrieben und einen offenen Brief gestartet. Der Schutz der Beschäftigten und der Patient*innen muss an erster Stelle stehen!!

(https://gesundheit-soziales-bb.verdi.de/++co++9cb05e36-6e8c- 11ea-900b-001a4a160100)

Der Mangel an Schutzmaterial und Desinfektionsmittel ist nach wie vor ein Problem. Jetzt erst beginnt die breite Testung vom Personal und von Patient*innen. Unverständnis herrscht auch, dass für medizinisches Personal andere Quarantänevorgaben gelten als für alle anderen.

Es wurde und wird gespart bis es quietscht. Unsere Forderung nach TVöD für alle ist nicht neu. Wir sind nicht länger bereit, die Einkommensunterschiede zwischen den verschiedenen Berufsgruppen im Krankenhaus hinzunehmen.

Der Personal – und Fachkräftemangel ist bekannt. Der wird in dieser Zeit richtig gefährlich. Da werden neue Krankenhäuser eingerichtet – Betten und die Technik kann man relativ schnell aufbauen – nur – wo soll das Personal herkommen? Wir brauchen endlich verbindliche Personalvorgaben, damit sich die Arbeitsbedingungen und damit die Versorgung der Patient*innen nachhaltig verändern.

Und – es ist uns allen klar, dass der Fehler im System steckt. Marktlogik hat im Gesundheitssystem nichts zu suchen. Wir sind nicht bereit, für Profite unser und das Leben unserer Patient*innen zu gefährden. Und das ist uns allen klar. Wir haben innerhalb einer Woche über 4500 Unterschriften für unsere Petition gesammelt. Wir haben eine Videokonferenz mit 20 Abgeordneten und 300 Beschäftigten abgehalten.

(https://gesundheit-soziales-bb.verdi.de/branchen- berufe/krankenhaeuser/++co++fc04f9e4-82ca-11ea-b276- 001a4a160110)

Jetzt arbeiten wir dafür, dass aus dieser Krise gelernt wird. Wir wollen nachhaltige Veränderung. Gestern haben wir einen Vorschlag für einen Berliner Corona Krankenhauspakt an den Senat und die Berliner Abgeordneten geschickt, wo die Forderungen aus unserem offenen Brief und der Petition formuliert sind. In den nächsten vier Wochen erhöhen wir den Druck aus den Betrieben, um in ernsthafte Verhandlungen mit der Politik zu kommen. Wir werden es nicht zulassen, dass das nach der Krise wie vor der Krise wird. Protest ist auch in diesen Zeiten möglich und nötig. Dass das Wirkung zeigt, konnten alle Beschäftigten von Vivantes und Charité gestern auf ihren Gehaltszetteln sehen – 150 Euro waren da tatsächlich drauf.

Wir lassen nicht nach. Es muss endlich Schluss sein mit prekärer Beschäftigung im Krankenhaus und anderswo!!
TVöD für alle!!
Marktlogik raus aus dem Gesundheitswesen. Weg mit den Fallpauschalen. Keine Profite mit unserer Gesundheit!!
Und: mehr von uns ist besser für alle!!
Wir machen weiter mit Aktionen – teilweise digital in den sozialen Medien, aber sicher auch analog.. am 12. Mai, am 17. Juni zur Gesundheitsministerkonferenz.
Solidarität ist erwünscht!

Hier noch der Link zum Corona Krankenhauspakt:

(https://gesundheit-soziales-bb.verdi.de/branchen- berufe/krankenhaeuser/++co++eb755666-8a11-11ea-9c63- 001a4a160119)