Teilerfolg für VW-Arbeiter

Südafrika: Entlassene im Werk Uitenhage sollen wieder eingestellt werden. Konzern bleibt hart

Insgesamt 3 000 Menschen der südafrikanischen Industriestadt Uitenhage trafen sich in der letzten Januarwoche zu einem Fest im dortigen Sportstadion. Der Grund zum Feiern: Am 23. Januar befand der immer wieder aufgeschobene Spruch einer Schiedskommission, daß alle 1 300 Arbeiter der Volkswagen- Produktionsstätte, die im Februar des vergangenen Jahres von der Unternehmensleitung gefeuert worden waren, wieder eingestellt werden müssen.

An dem Fest nahmen nicht nur die VW-Arbeiter teil, auch zahlreiche Beschäftigte des Reifenherstellers Goodyear und die einer Ford-Motorfabrikation zeigten sich solidarisch. »Diesen Sieg verdanken wir auch der Solidarität und der Entschlossenheit unserer internationalen Unterstützer«, erklärte Abraham Agulhas, einer der VW-Arbeiter. Damit meinte er nicht die offiziellen Vertreter der deutschen VW-Arbeiter wie den Gesamtbetriebsrat des Konzerns, der bei seinem Besuch in Südafrika keinen Zweifel daran ließ, voll hinter den Positionen der Unternehmensleitung zu stehen. Solidarität übten vielmehr einzelne Gewerkschaftsmitglieder und oppositionelle Betriebsratsgruppen.

Die Arbeiter waren im letzten Jahr entlassen worden, weil sie die Absetzung von dreizehn gewählten Shop-Stewards – eine Funktion, die den hiesigen Vertrauensleuten und Betriebsräten vergleichbar ist – durch die Unternehmensleitung nicht akzeptiert haben. Die Shop-Stewards hatten zuvor gegen die Veruntreuung von Pensionsfonds und die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit protestiert. Ein großer Teil der Belegschaft streikte daraufhin. Anschließend wurden mit den 1 300 Arbeitern fast ein Viertel der insgesamt 6 000 Beschäftigten, die in diesem Werk für den Export nach Europa produzieren, fristlos entlassen. Das Schiedsgericht hatte gegen die Kündigung vor allem formale Einwände. Es erklärte die Art und Weise der Massenentlassung zu einer »unfairen Prozedur«, denn das südafrikanische VW-Management hätte nicht, wie in der Gesetzgebung vorgesehen, eine Vollversammlung der Belegschaft einberufen, sondern lediglich mit solchen Shop-Stewards verhandelt, deren repräsentative Funktion zu diesem Zeitpunkt schon zweifelhaft gewesen sei. Noch im Juli des vergangenen Jahres hatte ein Arbeitsgericht den Streik schlichtweg als »illegal« bezeichnet und eine Wiedereinstellung der Arbeiter abgelehnt. Bereits am 25. Januar gab VW bekannt, daß das Unternehmen den Spruch der Schiedskommission nicht akzeptieren werde und Neuverhandlungen vor einem Arbeitsgericht anstrebe. Wie es hieß, will der Autokonzern jede weitere Störung des Produktionsbetriebs in Uitenhage verhindern, der einen Exportvertrag von jährlich 256 Millionen US-Dollar nach Europa erfüllen muß. Bis zur einer neue Entscheidung bleiben die Werktore für die Arbeiter verschlossen.
Gerhard Klas
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