„Wir widersprechen: Wir sind alle Antifa!“

Nun gibt es auch eine Stellungnahme der DGB-Jugend aus Chemnitz – sozusagen „direkt von der Front“ – zu den Äußerungen von Rainer Hoffmann, die wir sehr begrüßen:


Man kann nicht Antifaschismus predigen und selbst kein Antifaschist sein

Von DGB Jugend Chemnitz 30.11.2018

Antifaschismus ist ein Kernelement gewerkschaftlicher Arbeit. Der Begriff fasst alle Kräfte zusammen, die gegen Neonazismus, Neofaschismus, Rechtsradikalismus und die Neue Rechte vorgehen. Richtigerweise weist auch der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann in seiner Rede beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei auf diese antifaschistische Tradition der Gewerkschaften hin. Dann sagte er jedoch: »Das heißt – und das sage ich in aller Deutlichkeit: Wir sind nicht die ANTIFA!«

Wir finden, das passt nicht zusammen. Man kann nicht Antifaschismus predigen und selbst kein Antifaschist sein. Unsere Kolleginnen und Kollegen der GdP veröffentlichten anschließend einen Post mit folgendem Wortlaut: »Klare Position von Hoffmann: (…) deshalb werden wir in Zukunft keine Häuser an die Antifa vermieten!« Dieser wurde mittlerweile gelöscht und korrigiert. Diese Handlung zeigt, wie schnell Unklarheiten entstehen, wenn antifaschistisches Engagement sofort mit Gewalt gleichgesetzt wird.

In den letzten Jahren ist Antifa zu einem missbrauchten Kampfbegriff geworden. Mit ihm werden meist nur noch Vermummte und sogenannte Steinewerfer verbunden. Eine gefährliche Entwicklung, der man etwas entgegenstellen sollte, anstatt sie zu bekräftigen. Denn Antifa ist mehr: Antifa ist, wenn ich morgens in der Bahn einschreite, wenn die Frau mit Kopftuch mal wieder angepöbelt wird. Wenn ich dagegenhalte, beim Aufkommen rechter Parolen im Betrieb.

In rechten Kreisen bei AfD und Co ist die Auffassung, Antifa wäre ein Verein, deren Mitglieder*innen für ein gutes Gehalt zu Demos gefahren werden, weit verbreitet. Das ist natürlich totaler Quatsch. Wenn man jedoch wie der DGB-Chef von »DIE Antifa« spricht, fördert man diese Vorstellung. »DIE Antifa« gibt es nicht. Man kann Antifa nicht über einen Kamm scheren, es sind Aktivist*innen, die in verschiedensten Gruppierungen organisiert sind und sich unter dem Sammelbegriff Antifa finden.

Auf dem letzten DGB-Bundeskongress wurde der Antrag »Bekenntnis zum Antifaschismus – Grundpfeiler gewerkschaftlicher Arbeit« beschlossen. In diesem wird festgehalten, dass »der DGB verbündete antifaschistische Organisationen (z. B. örtliche Bündnisse gegen Rechts), tatkräftig und aus eigener Initiative« unterstützt. Weiter heißt es: »Politische Einflussnahme, die diesem Handeln entgegenwirken will, verurteilen wir aufs Schärfste und weisen wir zurück.« Wir fordern, dass sich dieser Beschluss weiterhin in vollem Umfang in der Arbeit des DGB-Vorsitzenden widerspiegelt. Dies ist gerade für uns junge Gewerkschafter*innen in Chemnitz essenziell.

Nur durch die Zusammenarbeit und Solidarisierung vieler Antifaschist*innen war es nach der Instrumentalisierung des tragischen Mordes von Daniel H. möglich, den Hetzjagden, Bürgerwehren und wöchentlichen Nazidemos etwas entgegenzusetzen. Es muss endlich Schluss damit sein, sich ständig voneinander abzugrenzen und zu distanzieren.

Ja, auf Demos laufen Menschen mit, die manche Dinge anders sehen als ich. Aber wenn wir den Rechtsruck stoppen wollen, müssen wir zusammenhalten. Denn wir haben eine Gemeinsamkeit: Wir sind alle antifaschistisch.

Siehe auch:
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