Antrag zur Verbesserung der Internationalen Gewerkschaftsarbeit

Der Gewerkschaftstag möge beschließen:

1.   Zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit der Gewerkschaften muss auch an der Basis die Zusammenarbeit mit den KollegInnen in den anderen Ländern entwickelt werden. Die IG Metall initiiert eigenständige Netzwerke der Belegschaften transnationaler Unterneh-men. Sie stellt dafür finanzielle und personelle Ressourcen bereit (z.B. für Übersetzung, Info-material, Reisekosten). Diese Mittel müssen insbesondere auf der Ebene der Verwaltungsstel-len zur Verfügung stehen.

2.    Der Aufbau von internationalen Strukturen unter Vertrauensleuten, gewerkschaftlich Aktiven (und gewerkschaftlich Interessierten, insbesondere unter Jugendlichen) muss vorangetrieben werden. Der notwendige Aufbau von Euro-Betriebsrätestrukturen und die Forderung nach qualifizierten Mitbestimmungsrechten für Eurobetriebsräte sind dafür kein Ersatz .

Begründung

Die Erfahrung mit den Arbeits- sozialen und Lebensbedingungen im anderen Land, das persönliche Kennenlernen von KollegInnen dort, das Wissen um deren gleiche bzw. unterschiedliche Schwierigkeiten, Kämpfe, Niederlagen oder auch Errungen-schaften, sind Grundvoraussetzung, um grenzüberschreitendes Bewusstsein, tragfähi-ge Vernetzungen und die Bereitschaft zu internationaler Solidarität entwickeln zu können.
Wir brauchen eine international ausgerichtete Programmatik die gewerkschaftspoliti-sches Bewusstsein möglichst breit vermittelt, die Fähigkeit, übergreifend Solidarität und gesellschaftlichen Widerstand zu organisieren und Arbeitskämpfe zur Durchset-zung gemeinsamer sozialer Interessen zu führen. Damit wird gleichzeitig rechten, chauvinistischen und nationalistischen Kräften jeder Art die Möglichkeit entzogen, persönliches und gesellschaftliches Bewusstsein zu besetzen und zu prägen.
Belegschaften in den unterschiedlichen Standorten werden gegeneinander ausgespielt und durch die Konkurrenz mit dem anderen Standort zu Zugeständnissen erpresst. Diese Logik (und vielfache Erfahrung) konnte nur in wenigen Fällen durch län-derübergreifende Solidaritätsaktionen durchbrochen worden (z.B. beim gemeinsamen Kampf der Opel Belegschaften gegen die Werkschließung in Luton oder bei der Or-ganisierung einer deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit bei DaimlerChrysler, mit der Streikbrucharbeit verhindert wurde).
Realität und Auswirkung von Standortkonkurrenz zeigt eine Studie, die 1995/96 von der Universität Tübingen zusammen mit der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht wurde. Diese hatte ergeben, dass bei den gewerkschaftlich organisierten Jugendlichen der Anteil von autoritären, nationalistischen und fremdenfeindlichen Einstellungen überproportional hoch war. Es wurde festgestellt, dass Rechtsradikalismus bei Jugend-lichen extreme Anpassung und Unterordnung unter gesellschaftlich herrschende Nor-men und Ordnungsvorstellungen bedeutet. Solche Einstellungen wurden besonders bei großen Industriebetrieben der Metall-, Elektro- und Baubranche festgestellt, also ge-rade dort, wo ein Schwerpunkt gewerkschaftlicher Arbeit liegt. Die Autoren der Stu-die folgern daraus, dass wenn Gewerkschaften, die unternehmerische Begründungs-zusammenhänge von Standortsicherung, Leistungssteigerung, Konkurrenzfähigkeit und nationaler Arbeitsplatzsicherung d.h. von Ausgrenzungsstrategien übernehmen, sie zu Förderern von rechten und chauvinistischen Einstellungen werden.