Brasilien: VW als Komplize der Militärdiktatur

 

Christian Russau, Mitarbeiter der FDCL in Berlin, hat ein wichtiges Buch geschrieben. Es dreht sich um das kompromittierende Verhalten deutscher Unternehmen in Brasilien. Mitten drin auch die Volkswagen AG. In der Süddeutschen Zeitung wurde gerade dokumentiert, wie der Konzern in enger Kooperation mit der damaligen Militärdiktatiur aktiv an der Unterdrückung von Aktivisten der brasilianischen Arbeiterbewegung beteiligt war. Doch während dies mittlerweile unstrittig ist, kann der Daimler-Konzern bis heute seine Rolle während der argentinischen Militärdiktatur recht erfolgreich unter denTeppich kehren.

In einer Rezension des Buches von Christian Russau schreibt die GFP:

„Klare Verhältnisse herrschten in den Jahren der brasilianischen Militärdiktatur (1964 bis 1985) bei VW do Brasil. Gewerkschafter? Die waren, so zitiert Christian Russau Erkenntnisse des Historikers Rodolfo Machado, damals ganz einfach „Fälle für die Polizei“. Heinrich Plagge etwa, der als Metallarbeiter hart für VW do Brasil schuftete, sich aber zugleich in einer Gewerkschaft engagierte, um für seine Rechte und diejenigen seiner Kollegen einzutreten. „Am 8. August 1972“, berichtet Russau, „wurde er gegen 14 Uhr in das Büro des VW-Managers Ruy Luiz Giometti gerufen, wo neben Giometti zwei Unbekannte auf ihn warteten und ihn für verhaftet erklärten.“ Plagge wurde in ein berüchtigtes Folterzentrum verschleppt, dort 30 Tage lang gequält und anschließend in ein Gefängnis verlegt, aus dem er am 6. Dezember – rund vier Monate nach seiner Verschleppung – freigelassen wurde. „Am 22. Dezember 1972, 16 Tage nach seiner Entlassung, erhielt er die Kündigung durch Volkswagen“, schreibt Russau. VW do Brasil hatte sich den unbequemen Gewerkschafter vom Hals geschafft. Aufmüpfigkeit gegen die Konzernspitze – das sollte die Aktion deutlich machen – war zwecklos.“

Christian Russau: Abstauben in Brasilien. Deutsche Konzerne im Zwielicht. Hamburg 2016.

aus: Newsletter von German Foreign Policy vom 25.07.2017

Bericht aus der Süddeutschen Zeitung:
VW-Konzern unterstütze Militärdiktatur in Brasilien