Freihandel versus Menschenrechte?

Infoveranstaltung mit Rodolfo Vecino Acevedo von der kolumbianischen Gewerkschaft USO

Zeit: Montag, den 12. Oktober um 19 Uhr
Ort: im Raum 112 (1.Stock) im Haus der IG Metall*,
Alte Jakobstr. 149, 10969 Berlin (U-Hallesches Tor)

Vom „Modell Kolumbien“ sprach Carlo Olaya, Vorstandsmitglied der kolumbianischen Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL, auf der 2008 von LaborB organisierten Konferenz „Visions of Labour“. Das modellhafte sah er in einem Herrschaftssystem, das eine formelle demokratische Fassade aufrecht erhält, jedoch gleichzeitig Gewerkschaften und soziale Bewegungen mit terroristischen Mitteln bekämpft. Gelänge es nicht, – so fuhr der Gewerkschafter fort – dieses Modell zum Scheitern zu bringen, könne es zum Exportschlager werden und auch in anderen Ländern zur Anwendung kommen.

Der letzte Mord an einem Arbeiter bei Nestlé und aktivem Mitglied der Sinaltrainal ist erst wenige Wochen her.

Auch die kolumbianische Gewerkschaft der Erdölarbeiter USO befindet sich seit Jahren im Fadenkreuz der Paramilitärs. Beide Gewerkschaften stehen den Herrschaftsansprüchen von Oligarchie und internationalen Konzernen wie Coca Cola, Chiquita und Nestle oder den großen Öl- oder Bergbaugesellschaften im Weg. Ihre Verantwortung für massive Menschenrechtsverletzungen wurde zuletzt im Juli 2008 bei einer Zusammenkunft des „Ständigen Tribunal(s) der Völker“*, das mehrmals in Kolumbien tagte, dokumentiert.

Die Bedingungen, unter denen sich die in der EU beheimateten Konzerne Zugriff auf die Ressourcen Kolumbiens verschaffen können, werden insbesondere über die aktuell laufenden Verhandlungen der EU mit Kolumbien (und Peru) über ein Freihandelsabkommen festgelegt.

In dem zur Verhandlung stehenden EU-Entwurf spielen Menschenrechte keine Rolle. Im Gegensatz zu Ländern wie Kanada oder Norwegen gibt es in Deutschland nicht einmal eine öffentliche Debatte darüber.

Wir freuen uns darüber, dass der Kollege Rodolfo Vecino Acevedo von der USO sich bereit erklärt hat, während einer Europarundreise auch nach Berlin zu kommen und uns über die aktuelle Entwicklung dieser Zusammenhänge zu informieren. Der Kollege Rodolfo ist in den letzten Jahren selbst wiederholt wegen seiner gewerkschaftlichen Arbeit von den Paramilitärs mit dem Tode bedroht worden.
Veranstalter:
Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin, FDCL, Kolko — Menschenrechte für Kolumbien, Polo Democratico Alternativo Alemania

* http://www.askonline.ch/new/TPP_3_August_2008.pdf