Protest gegen kolumbianische Wirtschaftsmesse

Gewerkschafter und Menschenrechtsgruppen demonstrieren vor dem Berliner Kino Babylon

Von M. Daniljuk

Berlin. Bei der Eröffnung der Wirtschaftsinitiative ExpoKolumbien protestierten heute in Berlin soziale Organisationen und Menschenrechtsgruppen. Das Wirtschaftsforum verfolgt das Ziel, Kolumbien als „einen attraktiven Markt für Infrastruktur, Gesundheitswesen und Agrarindustrie“ zu präsentieren. Mittelständische deutsche Unternehmen sollen als potentielle Investoren über die „günstigen Investitionsbedingungen“ informiert werden. Begleitet wird das Wirtschaftsforum von einem Kulturprogramm. So startete heute im Berliner Programmkino Babylon eine Filmreihe zum kolumbianischen Film.

Internationales Tribunal vor der Tür

Vor der Tür protestierten Menschenrechtsgruppen und Gewerkschafter. Es sei nicht akzeptabel, dass ein unabhängiges Kino wie das Babylon eine Werbeveranstaltung für das kolumbianische Regime beherberge. Gewerkschafts- und Bauernvertreter lebten in keinem Land der Welt gefährlicher, betonten die Veranstalter der Protestkundgebung. In den letzten zwei Jahrzehnten seien mehr als 2.000 Gewerkschaftsvertreter oder Betriebsräte ermordet worden, erinnerte der AK Internationalismus in der IG Metall. Erst im vergangenen September wurde Gustavo Gomez, Gewerkschafter und Mitarbeiter des Unternehmens Néstle von Paramilitärs ermordet. Insgesamt seien seit Jahresbeginn 21 Führungsmitglieder der Gewerkschaften und der sozialen Bewegungen umgebracht worden.

Als Konkurrenz zur Eröffnungsveranstaltung zeigten die Demonstranten Filmbeiträge auf einem mitgebrachten Lieferwagen. Gezeigt wurden Ausschnitte eines Menschenrechtstribunals, bei dem Verbrechen transnationaler Konzerne in Kolumbien symbolisch verhandelt und verurteilt wurden. In bewegenden Beiträgen erinnerten kolumbianische Aktivisten an ermordete Freunde und Kollegen. Ausführlich wurden Fälle von Mord, Folter und Entführungen dargestellt. Die Filme waren vom Berliner Videokollektiv Kanal.B in Deutsch untertitelt worden.

Internationale Unternehmen in der Kritik

Auch internationale Unternehmen bedienten sich rechter Todesschwadrone, um ein „positives Insvestitionklima“ herzustellen, kritisierte eine Sprecherin der Gewerkschaftsinitiative FAU. Firmen wie Néstle, Coca Cola und Chiquita beauftragten rechte Paramilitärs, um systematischen Druck auf gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter auszuüben. Im Falle von Chiquita ist dies inwischen Gerichtsfest belegt: Der Bananenhersteller finanzierte mit mindestens 1,7 Millionen US-Dollar Massaker, Morde und Vertreibungen insbesondere im Norden von Kolumbien. Gleichzeitig bemühe sich der Konzern mithilfe fragwürdiger „Umweltzertifikate“ um ein ökologisches Image.

Neben den Aktivitäten von Néstle, Coca Cola und Chiquita wiesen die Demonstranten vor allem auf die Problematik der so genannten Bio-Treibstoffe hin. Die kolumbianische Regierung unterstütze seit vielen Jahren den Anbau von Palmöl in ihrem Land. Um Anbau-Flächen zu gewinnen, seien insbesondere afro-kolumbianische Gemeinden unter der Deckmantel der Guerilla-Bekämpfung von ihrem Land vertrieben worden. So haben die neu errichteten Monokulturen nicht nur dramatische Folgen für die Umwelt, sondern der Ausbau der auf den Export orientierten Agro-Industrie sei mit schwer wiegenden Menschenrechtsverletzungen verbunden.

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