„Und dann der Regen“

Galerie Olga Benario, Richardstraße 104 in 12043 Berlin-Neukölln
Mittwoch, den 23. April um 19.30 Uhr

FilmcoverEin Film von Icíar Bollaín

Der Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin läd euch herzlich ein zur Vorführung eines Films, der auf eindrucksvolle Weise die koloniale Geschichte Lateinamerikas behandelt. Der Film beginnt mit der gewaltsamen Missionierung und Ermorderung der amerikanischen Ureinwohner/innen und schlägt die Brücke zur heutigen Geschichte, in der der Neokolonialismus in die Fußstapfen seines Vorgängers getreten ist.

 

Die Filmemacherin Iciar Bollani schreibt über ihren Film:

„Das Drehbuch von UND DANN DER RE­GEN – TAMBINI LA LLUVIA hat eine lange Entwicklung genommen, über mehrere Jahre. Paul Laverty hatte begonnen eine Geschichte zu schreiben, die vollständig in der Zeit von Kolumbus angesiedelt war, seine verschiedenen Reisen und die ersten Jahre in der „Neuen Welt“ erzählte und dann mit Bartolomä de las Casas weitermachte. Es war ein sehr dichtes, leidenschaftliches Buch. Paul entschied sich dann jedoch dafür, die Geschichte in die Gegenwart zu holen und die Ausbeutung und den Widerstand der Indigenas gegen die spanischen Eroberer des 16. Jahrhunderts mit dem zu verbinden, was gegenwärtig in Lateinamerika geschieht. Der „Wasserkrieg“, der im Jahr 2000 im bolivianischen Cochabamba stattfand, war ein eindrucksvolles Beispiel für den zivilen Widerstand gegen die Privatisie­rung eines Rohstoffs, der heute so wertvoll und lebenswichtig ist, wie damals das Gold: das Wasser. Paul verband diese beiden Ebenen, indem er die Dreharbeiten zu einem historischen Film in Bolivien erzählte, die vom Ausbruch des Wasserkonflikts überrascht werden.“

Im Ergebnis werden drei Filme in einem gezeigt. Bollani: „Ich musste einen historischen Film drehen, den Wasserkonflikt aus der jüngsten Vergangenheit und schließlich die Geschichte der Dreharbeiten und die persönlichen Entwicklungen der Protagonisten Sebastiän und Costa erzählen: die Entscheidungen, die sie treffen müssen, je mehr der Wasserkonflikt ihre eigene Arbeit gefährdet. Die Spannung und Lebendigkeit der drei Geschichten aufrechtzuerhalten und die Zuschauer von der einen zur anderen Geschichte mitzunehmen, war eine enorme Herausforderung – und gleichzeitig das größte Geschenk. Es ist selten, eine so einzigartige und komplexe Geschichte zu haben, mit so überzeugenden und vielschichtigen Figuren, eine Story außerdem, die den Fin­ger in die Wunde eines der wichtigsten Konflikte unserer Zeit legt.“

Auf der Veranstaltung werden wir auch das großartige Buch von Howard Zinn „Ein Geschichte des amerikansichen Volkes“ anbieten. Zinn dokumentiert hier u.a. den historischen Stoff, auf den der Film zurückgreift und fasst ihn in ergreifende Worte.
DER WASSERKRIEG VON COCHABAMBA

Cochabamba, gelegen auf 2.500 Meter Höhe in den östlichen Anden, ist die viertgrößte Stadt Boliviens, dem trotz sei­nen einst reichhaltigen Bodenschätzen ärmsten Land Südamerikas. Ende der 90er Jahre verfolgte die Regierung des ehemaligen Militärdiktators Hugo Banzer auch auf Druck der Weltbank und des IWF eine Politik der rigorosen Privatisierung. In Cochabamba betraf das die Wasserversorgung, die an ein Konsortium unter Führung des multinationalen Konzerns Bechtel veräußert wurde. Binnen weniger Monate verteuerte die neue Gesellschaft Aguas de Tunari das Wasser um mehr als 300% – für viele Familien, die mit weniger als 100 Dollar im Monat auskommen mussten, waren die Wasserpreise nicht mehr zu halten. Massive Proteste der Bevölkerung und die Gründung der Coordinadora – ein breites Bündnis aus den oft dezentral organisierten Gewerkschaften, Stadtteilkomitees, Studenten und der gerade in den Vorjahren erstarkten Bauernorganisationen mit indigenem Hintergrund – waren die Folge. Banzer reagierte auf die Demonstrationen mit massiver Polizeigewalt, die Hunderte von Verletzten forderte. Im April 2000 rief die Coordinadora daraufhin zur Blockade der wichtigsten Straßen und zum Generalstreik auf – Cochabamba war lahmgelegt. Der Einsatz von Polizei und Militär forderte ein erstes Todesopfer, die Revolte drohte sich aufs ganze Land aus­zuweiten. Der massive Widerstand der Be­völkerung zwang Aguas de Tunari und die bolivianische Regierung schließlich zur Rücknahme der Verträge – die Wasserver­sorgung Cochabambas ging wieder in die öffentliche Hand über. 2001 verklagte Bechtel den bolivianischen Staat auf 25 Millionen Dollar Schadensersatz: die Argumentation besagte, dass die Preiserhöhungen als Auslöser der Proteste nicht von Aguas de Tunari, sondern der lokalen Regierung verfügt worden seien. 2006 zog Bechtel die Klage schließlich zurück. Der Erfolg des Wasserkriegs von Cochabamba markiert einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte der Protestbewegungen Boliviens – die zunehmende Stärke und Mobilisierungsfähigkeit der Gewerkschaften, findigen geprägten Bauernorganisationen und Basisbewegungen kulminierte in der erbitterten Auseinandersetzung um die Verfügung über die reichen Gasvorkommen des Landes. Nach vorgezogenen Neuwahlen am 18. Dezember 2005 endete die jahrzehntelange Vorherrschaft der weißen Oberschicht in Bolivien: Mit 54% der Stimmen wurde Evo Morales als erster Indigena zum Staatspräsidenten eines südamerikanischen Landes gewählt.