VW übernimmt Verantwortung für Kooperation mit Militärjunta

Es hat lange gedauert. Doch jetzt hat sich endlich etwas bewegt, auch wenn einige der ehemaligen von der Repression betroffenen VW-Arbeiter, die sich jahrzehntelang dafür eingesetzt hatten, es nicht mehr erleben konnten. Wir zitieren aus einer Meldung der Süddeutschen Zeitung:

https://www.youtube.com/watch?v=m0ZKqT2M5qk

Wolfsburg/Säo Paulo — Volkswagen übernimmt Verantwortung für seine Rolle während der brasilianischen Mili­tärdiktatur von 1964 bis 1985. Nach Informationen von NDR, SWR und Süd­deutscher Zeitung soll im Verfahren um die Kollaboration des Konzerns mit dem damaligen Regime am Donnerstag in Säo Paulo ein Vergleich unterzeichnet werden. Dieser Vergleich beinhaltet Entschädigungszahlungen für ehema­lige VW-Arbeiter in Millionenhöhe. 36 Millionen Reais (rund 5,5 Millionen Euro) soll die brasilianische Tochter von Volkswagen demnach für individuelle und kollektive Entschädigungen bezah­len. Ein großer Teil des Geldes soll an den Opferverband von ehemaligen Mit­arbeitern und deren Hinterbliebenen gehen. Insgesamt geht es um mehr als 60 Betroffene.

Das Verfahren geht auf eine vor fünf Jahren eingereichte Sammelklage ehe­maliger Arbeiter zurück, die zu Dikta­turzeiten im VW-Werk in Säo Paulo beschäftigt waren. Recherchen von NDR, SWR und Süddeutscher Zeitung

hatten gezeigt, dass sich Volkswagen in Brasilien aktiv an politischer Verfol­gung und Unterdrückung von Regime-Gegnern beteiligt hatte. Der sogenannte Werkschutz in Säo Paulo agierte dem­nach wie ein Geheimdienst, der die eigene Belegschaft ausspionierte. Offen­bar hat die Konzerntochter VW do Bra­sil auch politische Verhaftungen durch die Geheimpolizei auf dem Werksge­lände zugelassen und die Betroffenen damit der Folter ausgeliefert. Die Recherchen ergaben, dass der Vor­standschef in Wolfsburg im Jahr 1979 persönlich über die Verhaftungen infor­miert wurde.

Ein Gutachten der Staatsanwaltschaft hatte die Recherchen bestätigt. Mit dem jetzigen Vergleich werden die langen und zähen Verhandlungen beendet. Volkswagen entgeht damit einer gericht­lichen Auseinandersetzung. Für Brasi­lien gilt die Entscheidung als wichtiges Signal, gerade weil der rechtspopulisti­sche Präsident Jair Bolsonaro die dama­lige Militärdiktatur verherrlicht. Für die ehemaligen Arbeiter bedeutet sie ein

Stück Gerechtigkeit, auf die sie Jahr­zehnte warten mussten. Auch der eigens von Volkswagen beauf­tragter Historiker Christopher Kopper von der Universität Bielefeld bestätigte die systematische Zusammenarbeit von VW mit dem einstigen Militärregime. Für Festnahmen auf dem Werksgelände sah er die Volkswagen AG in der Ver­antwortung.“ (SZ, 24.9.2020)