Zur Chronologie des Streiks (and surrounding events) bei W Cook Parkway Ltd

  • (nach den Angaben der streikenden Kollegen)
  • letzte Lohnerhöhung bei W Cook Parkway erfolgte 1996, seitdem nur Stillstand bzw. sogar (heftige) Einschnitte;
  • letzte Verhandlung der AEEU mit A Cook bezüglich Überstundenzuschlägen war vor sieben Jahren; seitdem geschah nichts mehr
  • Dezember 99: Lohnkürzung auf 6,24 £ brutto /Std. nach unten, außerdem noch 20% Kürzung auf piecework (Stücklohnanteil; dieser macht je nach Abteilung z.T. 40% des Gesamtlohnes aus)

  • August 2000: Der StdLohn wird erneut gekürzt (der höchste Lohn, der in der Firma gezahlt wurde, war vorher 6,25 £ gewesen, danach noch 5,50 £), außerdem noch prozentuale Absenkung des Stücklohnes (piecework), außerdem noch Streichung von 10 £ Bonus / Woche (diese Zahlung war eigentlich die Lohnerhöhung von vor 5 Jahren gewesen.)
  • Insgesamt bewegten sich die Kürzungen – je nach Arbeitsplatz – zwischen 20 und 50 £ pro Woche.
  • 5. Januar 2001: A Cook versucht eine erneute Runde Lohnkürzungen, mit Absenkungen auf nur noch 4,25 £ pro Stunde (brutto). Im Höchstfall hätte dies Einkommensverluste von bis zu 120 £ pro Woche ausgemacht. Für manche Mitarbeiter ist dies die dritte Lohnsenkung innerhalb von 18 Monaten.
  • 13. Januar: Versammlung von Gewerkschaftsmitgliedern außerhalb der Firma, dieses Vertragsangebot von A Cook wird einstimmig zurückgewiesen. In der ‚heavy foundry‘ (Gießerei für Großteile) beginnen die Vorbereitungen für eine gesetzlich vorgeschriebene Urabstimmung (muß von externen Dienstleistungsbüros durchgeführt werden, dauert deshalb relativ lange).
  • Die meisten der betroffenen Kollegen arbeiten zwischen 10 und 16 Jahren für A Cook. In all diesen Jahren hatte es nur ein einziges Mal eine kurze Streikaktion gegeben – Arbeitsfrei am 1. Mai – die sofort großen Ärger für die Kollegen nach sich gezogen hatte.
  • 16. März: Die neuen Verträge mit den oben beschriebenen Angeboten liegen letztmalig vor. Frist zur Unterzeichnung: Bis zum 13. April.
  • Bezahlung und die weiteren Bedingungen werden von den Arbeitern jedoch endgültig zurückgewiesen.
  • 5. April: Die Ergebnisse der Urabstimmung liegen vor: 100% für einen Streik. Es sollte sich vorerst um einen Streik von 2 Tagen pro Woche handeln.
  • 12. April: Ca 98 Personen beteiligen sich am ersten Tag des Streiks.
  • 13. April: Die Arbeiter werden von ihren Arbeitsplätzen ausgesperrt. Dies, obwohl es ein erst von der New Labour-Regierung eingeführtes Gesetz gibt, das es verbietet, Streikende während der ersten 8 Wochen des Streiks zu entlassen.
  • Darüber hinaus werden ihre Jobs landesweit zur Besetzung ausgeschrieben und Streikbrecher angeheuert, obwohl das Gesetz es ebenfalls verbietet, dies während der ersten 8 Wochen eines Streiks zu tun. [Auf diese Anzeige gibt es nur ca 12 Bewerbungen, von denen einige nach Wissen der Kollegen auch nur aufgrund des Druckes mancher Sozialämter zustande kamen – die Arbeitsbedingungen und der extrem schlechte Arbeitssicherheitsstandard bei A Cook sind weithin bekannt.]
  • Im weiteren Verlauf der nächsten Wochen (ab ca. 20.4.) werden 110 Arbeitsverträge aufgrund des Streiks von A Cook aufgelöst.
  • 13. April: Den Arbeitern wird ein neuer Vertrag vorgelegt, in dem sie auf gewerkschaftliche Rechte verzichten sollen und zu den (bereits abgelehnten) Bedingungen vom Januar wieder eingestellt werden könnten. [Pikanterie am Rande: Für genau diese, ihre eigenen Jobs, die daraufhin in der Zeitung annoncierte werden, wird dort ein höherer Stundenlohn geboten, als den Cook-Arbeitern im Vertragsentwurf zugestanden wurde.]
  • Die Arbeiter lehnen dieses Angebot ab.
  • A. Cook läßt die angeheuerten Streikbrecher im Frühjahr mehrere Wochen lang von einer Sicherheitsfirma per Bodyguards von den Streikenden abschirmen. Sie kommen und gehen in Firmenbussen, und man kann nicht mit ihnen reden.
  • Ca. die Hälfte der im Frühjahr angeheuerten Streikbrecher haben die Firma inzwischen (Oktober) wieder verlassen, weil sie von dem Lohn nicht leben können, und die Arbeitsbedingungen allzu schlecht sind.
  • 26. April: ‚Internal appeal‘ (firmeninterne Verhandlung, gesetzlich vorgeschrieben): Keine Lösung, die Aussperrungen werden aufrecht erhalten.
  • 10. Mai: ‚External appeal‘ (gesetzlich vorgeschriebene Verhandlung inkl. Gewerkschaftsvertretern): Keine Einigung, die Aussperrungen werden aufrecht erhalten.
  • Die Arbeiter erhielten ihren endgültigen Kündigungstermin (abhängig von der jeweiligen Kündigungsfrist).
  • Das ‚industrial tribunal‘ (Arbeitsgerichtsverhandlung) aller Streikenden gegen A Cook (wegen Verletzung des Verbotes der Kündigung Streikender in den ersten 8 Wochen, d.h. Nichtigkeit der Kündigungen und Wiedereinstellung zu den alten Vertragsbedingungen von vor Januar 2001) wird auf den 5. November festgesetzt.
  • Der lange Abstand zwischen dem Streikbeginn (12. April) und diesem Arbeits’gerichts’verfahren erklärt sich u.a. dadurch, daß Andrew Cook einen früheren vorgeschlagenen Termin für Juli gegenüber dem Chairman des tribunals ablehnte, da er da selbstverständlich seinen Urlaub geplant hätte.
  • Andrew Cook bleibt jedoch den ganzen Juli über in Sheffield.
  • Derselbe Chairman, der schon A. Cook zuliebe den Termin verschoben hat, wird übrigens auch dem tribunal vorsitzen.
  • 7. Juni: ‚Interim relief‘ (Lohnfortzahlung bei unberechtigter Kündigung) wird den Streikenden verweigert (nach Arbeitsgerichtsverhandlung).
  • 8. Juni: Inzwischen sind alle am Streik teilnehmenden Gewerkschaftsmitglieder entlassen.14. Juni: Einige der streikenden AEEU-Mitglieder von W Cook Ltd fahren zum AEEU-Gewerkschaftstag in Blackpool.
  • Während die Cooks dort sind erfahren sie, daß jedem anwesenden Delegierten pro Mahlzeit (also 2 x täglich) ein Gutschein im Werte von 8 £ ausgegeben wird. Von ca. der gleichen Summe müssen sie einen ganzen Tag lang ihre ganze Familie ernähren (40 £ strike pay pro Woche pro Streikendem.)
  • Da die Cooks dort nicht in den Saal dürfen, um zu den Kollegen zu sprechen, stellen sie sich mit einem Transparent vor die Tür und können daraufhin auch mit vielen Leuten reden. Damit es zu keiner Unruhe auf dem Kongreß kommt, sorgt die AEEU dafür, daß erst ganz am Ende des Kongresses über den Cook.-Streik diskutiert werden soll. Leider, leider ist am Ende des Kongresses zufälligerweise keine Zeit mehr dafür da…
  • Trotzdem erlangen sie eine Unterredung mit Sir Ken Jackson (Vorsitzender der AEEU). Dieser sichert ihnen jegliche Unterstützung durch die Gewerkschaft zu und beauftragt seinen Stellvertreter Bob Shannon (zuständig auch für Metallverarbeitende Industrie) mit den weiteren Verhandlungen mit A Cook, und ordnet an, jeweils direkt von den Ergebnissen unterrichtet zu werden.
  • Außerdem sollen die Streikenden „mehr Unterstützung“ durch die AEEU erhalten. Da es aber vor Ort in Sheffield keine richtige AEEU-Verwaltungsstelle gibt, verweist man sie an das Büro in Derby (rund 70 km entfernt !)
  • Ken Jackson sagte darüber hinaus zu, eine offizielle Stellungnahme zum Streik herauszugeben, da sonst – wie die Streikenden bei Anfragen erfahren hatten -die landesweiten Zeitungen nicht darüber berichten wollen.
  • Bis heute (!) ist dies nicht geschehen.
  • 2.Juli: Eine Urabstimmung in der Greensand Foundry (weitere Gießerei von A Cook in Sheffield ) ergibt ebenfalls Zustimmung für einen Streik.
  • 6. Juli: 60 Arbeiter werden bei der Greensand Foundry entlassen. Sie werden aus betriebsbedingten Gründen gekündigt, d.h. Andrew Cook hat ihre Arbeitsplätze einfach gestrichen. Dies nimmt ihnen die Möglichkeit, selber gerichtlich um ihren Job zu kämpfen.
  • 21. August: Streikende Gewerkschaftsmitglieder der AEEU werden zur Zentrale nach London eingeladen (luxuriöser Trip, sagen sie). Man verspricht, 100% Rückhalt („Fullest support“)durch die AEEU zu geben.
  • 25. August: Bob Higgins (hoher AEEU-Funktionär) fährt von London nach Sheffield um den Streikenden zu sagen, daß sie von der AEEU nun doch keine finanzielle Unterstützung erhalten werden, um eine kleine Delegation von Ihnen zum TUC-Kongreß in Brighton zu schicken [Der TUC ist das britische Äquivalent zum DGB].. Sie hätten die Formulierung „100%ige Unterstützung“ wohl mißverstanden (mis-interpreted). Auf die Frage, warum ein unnötiger Trip nach London finanziert werden konnte, ein Besuch in Brighton dagegen nicht, bleibt man die Antwort schuldig.
  • September: Eine kleine Delegation der Streikenden [die mittlerweile daran gewöhnt sind, in eigener Sache alleine um Unterstützung und Öffentlichkeit zu werben] fährt dennoch nach Brighton. Die AEEU-Mitglieder erhielten von ihrer Gewerkschaft kein Zutrittsrecht (Ausweis), um in den Konferenzsaal zu kommen; jene 2 Streikenden, die Mitglied der (Konkurrenz-) Gewerkschaft GMB sind, dagegen schon.
  • Die AEEU-Streikenden stehen mit ihrem Plakat vor dem Eingang und erhalten sehr viel Interesse und Zuspruch von anderen Gewerkschaftsdelegierten, nur ihre eigenen Leute drücken sich vorbei, darunter jene hohen Funktionäre, die Ihnen erst kürzlich „fullest support“ zugesichert hatten.
  • Ein angebahnter Kontakt, bei dem Reporter vom TV-Sender BskyB dabei sein wollten, wenn die Streikenden den Kongreßgast Tony Blair ansprechend wollten, zerschlägt sich überraschend – es ist der 11. September…

 

  • Lage in Sheffield:
  • Die ganze Stadt weiß über den Streik Bescheid, und niemand aus Sheffield nimmt mehr einen Job in der bestreikten Gießerei ein. Selbst Arbeitsvermittlungsbüros hängen die Anzeigen wieder ab, wenn sie erfahren, daß es um Jobs in der bestreikten Parkway-Gießerei geht.
  • Neue Arbeitskräfte – auch für eine neue Fabrik von Andrew Cook – kommen daher ausschließlich von Außerhalb.
  • Nicht umsonst ist das industrial tribunal in eine Sportarena gelegt worden – nicht nur die noch ca. 60 Streikenden samt Familien und Anhang werden den Platz brauchen… (Dauer des tribunals: ca. 5 Tage, da Einzelanhörung notwendig ist. Ein Urteil ergeht möglicherweise aber erst später.)

 

Bisherige „Tätigkeiten“ der AEEU während des Streikes

  • Sobald die ersten Streikposten auftauchten, drohte A Cook, die Gewerkschaft zu verklagen, wenn sie nicht verhindere, daß nie mehr als 6 Streikposten pro Tor gleichzeitig vor Ort seien. (Gesetz, von dem die Streikenden zuvor nicht wußten, daß es existiert.) Die AEEU gibt dies kommentarlos weiter mit der Aufforderung sich daran zu halten.
  • Da die Tore bei W Cook per Video überwacht werden, muß man sich seitdem peinlich genau daran halten.
  • Als Bob Shannon später zu Verhandlungen mit A Cook delegiert wird (siehe oben) verlangt A Cook, daß während der jeweiligen Gespräche die Streikposten völlig abgezogen werden sollen. Die AEEU stimmt dem gegen den Widerstand ihrer Mitglieder vor Ort zu, weil sie einen „möglichen Verhandlungserfolg“ nicht torpedieren möchte…
  • Die betroffenen Kollegen erhalten lediglich das Streikgeld (40 £ pro Woche, also ca 120.- DM; unabhängig von der Anzahl der abhängigen Familienmitglieder !)
  • Weitere finanzielle Unterstützung wird nicht gewährt, ebenso keine logistische Hilfe, keine Öffentlichkeitsarbeit (nicht mal innerhalb der eigenen Gewerkschaftspublikationen) usw. Das AEEU-Büro in Derby, das die Streikenden unterstützen soll, ist rund 60 Kilometer entfernt…
  • Die AEEU verklagt A Cook nicht etwa wegen Mißachtung des Gesetzes zum Kündigungsschutz Streikender. Sie überläßt dies großzügig der Eigeninitiative der betroffenen Streikenden.
  • Öffentliche Stellungnahme von Ken Jackson bleibt aus (obwohl sie im Juni zugesichert wurde). Dadurch verweigern die landesweiten Zeitungen die Berichterstattung.
  • Den Arbeitern wird keine anwaltliche Vertretung zugestanden. Jeder Streikende erhielt lediglich die Möglichkeit, bei einem von der AEEU benannten Anwalt einmalig eine Beratungszeit von 30 Minuten zu erhalten.
  • Bei diesen Beratungen wurde ihnen mitgeteilt, daß sie beim industrial tribunal am 5. November (siehe oben) lediglich eine 50/50 Chance hätten.
  • Kollegen, die außerdem den Rat unabhängiger Anwälte (derselben Kanzlei !) einholen, erfahren von diesen hingegen, daß sie eine 70%ige oder höhere Chance hätten, das tribunal zu gewinnen; Vertretung dabei wird ihnen sogar auf einer Basis von „no win – no fee“ (d.h. Honorar nur bei Erfolg) angeboten.
  • Derek Simpson, lokaler Hauptfunktionär der AEEU in Sheffield, soll die Kollegen ebenfalls ohne anwaltliche Hilfe während des tribunals vertreten.
  • Als Streikende nach diesen Mitteilungen laut darüber nachdenken, die Gewerkschaft bzw. die von ihr benannten Anwälte im Falle des Mißlingens wegen mangelhafter Rechtsberatung (‚misrepresentation‘) zu verklagen, geben die Anwälte, die ihnen von der Gewerkschaft zugewiesen wurden, einen interenn Rundbrief (‚circular‘) heraus, in dem sie zugeben, daß ihr Rat „nicht unabhängig “ (’not impartial‘) gewesen sei, und sie auf Druck gehandelt hätten.

 

  • Das Beste zum Schluß:
  • Nachdem die Kollegen alle langwierigen gesetzlichen Vorschriften und Hürden (externe Urabstimmungen usw.) bewältigt haben, um – nicht zuletzt auf Rat der AEEU – einen völlig legalen Streik zum Erhalt ihrer Arbeitsbedingungen führen zu können; nachdem sie seit vielen Wochen von einem minimalen Streikgeld (und der laufend selbst organisierten Unterstützung durch andere Arbeiter und Kollegen) leben müssen; nachdem sie von ihrer Gewerkschaft in unglaublicher Weise hängen gelassen und hinters Licht geführt werden; hat sich mittlerweile herausgestellt, daß der Streik hätte umgangen werden können:
  • Man hätte lediglich ’stand and sue‘ machen müssen, d.h. die im Januar angebotenen schlechteren Verträge unter Vorbehalt unterzeichnen sollen, danach weiter arbeiten und gleichzeitig auf Weiterbestand der alten Verträge klagen sollen. (Chancen wären wohl sehr gut gewesen). Dies, so sagen die Kollegen, hätten sie seinerzeit mit Freuden gemacht, um sich den ganzen Streß zu ersparen…
  • Auf die Frage, warum niemand bei der AEEU den Betroffenen diesen Rat gegeben hatte, gab es nie eine Antwort.
  • Da die AEEU ganz offiziell die Meinung vertritt, daß Streiks unnötig seien, hat sie seit Beginn des Cook-Streiks bei allen weiteren Streikversuchen an anderen Orten die vorgeschriebenen Abstimmungen gestoppt; und bei einer Firma, die diese Urabstimmung bereits durchgebracht hatte, ein 28-tägiges Verbot (‚ban‘) des Streikbeginns verhängt.
  • Innerhalb der AEEU formiert sich langsam aber stetig eine „grass root opposition“, die sich zur Zeit gerade zu vernetzen beginnt. Dies geschieht unabhängig vom Cook-Streik, der jedoch – bei denen, denen er bekannt wird – einen zusätzlichen Schub gibt, entschieden für Veränderungen innerhalb der AEEU einzutreten. Es werden mittlerweile sehr gezielte und kritische Fragen zu Ken Jackson und seiner Politik laut, z.B. ob und wann er denn gewählt wurde, und mit welcher Legitimation er eigentlich überhaupt amtiert.